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    Endverbraucher haben wenig Möglichkeiten

    Zum Artikel „Der unausgesprochene Pakt bei der industriellen Fleischherstellung (29.6.):

    Es ist eine Menge Wahrheit in diesem Bericht. Berichterstattung, statistische Fakten über den Fleischkonsum. Selbst der Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud wird bemüht, um das „Tabu ohne schweigen“ für die Abscheulichkeit zu erläutern. Niemand will sich herausreden, jedenfalls viele Menschen, die ich kenne wollen das nicht. Trotzdem ist der Artikel nicht ganz vollständig. Die Verantwortung liegt sicher bei uns allen, aber nicht nur: Die Politik hat über viele Jahre den bequemen Weg gewählt. Die Zustände sind lange bekannt, sowohl bei Tierhaltung als auch Transport und Schlachtung. Die Lobby war stark, denn wenn Arbeitgeber publikumswirksame Ehrenämter anstreben, Spenden in beträchtlichen Höhen an Parteien geschickt verkaufen, dann ist schon viel Mut und Hartnäckigkeit gefragt, um sich mit den Chefs der Schlachthöfe anzulegen.

    Wir Endverbraucher haben nicht sehr viele Möglichkeiten, selbst in einer ländlichen Region wie der unseren ist es fast nicht möglich Bio-Fleisch, Bio-Hähnchen frisch zu kaufen. Es fehlen schlichtweg Angebote in der Nähe. Außerdem, wie sollen Osteuropäer Kontakt mit den Einheimischen aufnehmen. Müde und erschöpft von der Akkord-Schufterei am Arbeitsplatz sich in der minimalen Freizeit mit Nachbarn treffen? Trotzdem, es gibt immer Menschen die anderen zuhören und sich für diese interessieren. Nein, so einfach kann man das nicht beschreiben.

    Es gilt den Betreibern dieser Firmen und Arbeitgebern klar zu machen, dass eben mehr dazu gehört sich Anerkennung zu verdienen, als nur Geld zu scheffeln. Es ist mit Hilfe der politisch Verantwortlichen gelungen, Tausende von Menschen zu beschäftigen, die für sich und ihre Familien schuften. Die industrielle Fleischherstellung und deren Betreiber erwirtschaften Profit ohne Grenzen und knebeln die Landwirte mit Dumping-Preisen. Moralisch und ethisch mehr als fragwürdig – deshalb kann man einem solchen Pakt nicht zustimmen, auch wenn er unausgesprochen bleibt. Die Kontrollen solcher Betriebe wurden auf ein Mindestmaß beschränkt und seit die Lebensmittelüberwachung den Landratsämtern unterstellt ist, Behörden mit fehlendem Legalitätsprinzip, wird es immer politische Entscheidungen zugunsten der Industrie geben.

    Es ist unwahrscheinlich, dass sich schnell etwas ändert, da stimme ich zu. Dem „unausgesprochenen Pakt“ bei der Fleischherstellung stimme ich nicht zu. Es ist etwas aufwändig – auf günstiges Fleisch und andere Produkte zu verzichten – diesen Aufwand gönnen wir uns, so oft es geht.

    Jonny Schindler, 97225 Zellingen

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