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    Maßnahmen zu Corona der JVA Würzburg sind nicht nachvollziehbar

    Zum Artikel "Häftlinge fordern Lockerungen in der JVA" (9.6.):

    Sie schreiben, die normale Besuchszeit betrüge 3 Stunden pro Monat. Das ist die Ausnahme. Regelmäßig beträgt die Besuchszeit 2 Stunden / Monat, die man an maximal 2 Terminen nutzen kann. Ein Gefangener kann also maximal alle 2 Wochen Besuch empfangen, höchstens 3 Personen können gleichzeitig kommen.
    Die Maßnahmen zu Corona der JVA Würzburg sind nicht nachvollziehbar. Zuletzt habe ich einen Freund im März in der JVA Würzburg besucht. Der Besuchsraum war mithilfe von Tischen so gestaltet, dass weder eine Annäherung von mehr als 1,50m noch eine Berührung möglich waren. Damit kann man leben und das erscheint auch sinnvoll.
    Darüberhinaus gibt es Gefangene, meist solche, die in Zusammenhang mit Drogen verurteilt wurden, die Besuch nur mit Trennscheibe empfangen dürfen. Dafür gibt es spezielle Besuchsräume. Hier ist jede Ansteckung ausgeschlossen, denn die Beteiligten ( Gefangener + Besucher ) sehen sich nur durch ein Fenster. Warum ist ein solcher Besuch gestrichen?
    Es drängt sich doch sehr der Eindruck auf, dass die Pandemie nur als Vorwand dient, die Besuche auszusetzen. Hintergrund ist sicherlich die Personalsituation in der JVA, denn Besuche sind personalaufwändig. Gefangene müssen von der Zelle zum Besucherraum und zurück begleitet werden. Besucher müssen belehrt, verwaltet und gelegentlich ( mit Hunden) auf Drogen untersucht werden. Bedenkt man, dass der Brief eines Untersuchungshäftlings (nicht bei rechtskräftig Verurteilten) wegen der Überprüfung durch die Staatsanwaltschaft circa 10 bis 14 Tage benötigt bis er seinen Adressaten erreicht, haben die Maßnahmen der JVA zur Folge, dass ein Gefangener quasi jeden sozialen Kontakt zur Außenwelt verloren hat. Die Würde des Menschen findet innerhalb der Gefängnismauern nicht statt. Art. 1 GG endet am Gefängnistor.

    Stephan Kaufold, 97318 Kitzingen

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