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    Nicht den Bauern wieder und wieder die Schuld geben

    Zum Artikel "Wie es der deutschen Natur geht" (20.5.):

    Und auf ein Neues… wieder mal ein Schlag in das Gesicht für uns Bauern. Umweltministerin Schulze präsentiert ihre Bestandaufnahme zum Umwelt- und Artenschutz. Fazit: Fast alles schlecht! Der Schuldige schnell gefunden - die industrielle Landwirtschaft. Wenn ich jetzt streng bin: auch „Öko“ wäre industriell, denn industriell heißt erst mal nur, die Arbeit wird zum größten Teil mit Maschinen erledigt und nicht durch Mensch- oder Tierkraft. Würden wir dahin zurückkehren, dann können wir mit unserer Muskelkraft unsere Familie mit Lebensmitteln versorgen und vielleicht noch die Erzieherin, den Lehrer und den Arzt. Tauschgeschäft: Kartoffeln gegen Unterricht. Inzwischen gibt es Richtlinien, was ein industrieller Betrieb ist, die Erklärung würde hier aber zu weit führen. Nennen wir es hier einfach mal die konventionelle Bewirtschaftung. Seit über 50 Jahren wird unser Hof (erst durch die Schwiegereltern, dann durch uns) konventionell bewirtschaftet. Man gründet nicht mal eben schnell einen Bauernhof, wie andere Start-Up-Unternehmen. Meine Schwiegereltern haben ihren Bauernhof vor 50 Jahren verlegt: raus aus dem Dorf – Aussiedlung. Das war nicht einfach mal so, sondern wohl überlegt und gleichzeitig verbunden mit Gedanken: Wie nutze ich die Natur und was gebe ich ihr zurück. Es wurden Bäume rund um die Hofstelle gepflanzt, die inzwischen stattliche Größen haben und ja, wir erneuern sie auch, falls der Zahn der Zeit an ihnen nagt. Der Generationenwechsel ist vollzogen, aber auch wir versuchen das Gleiche: Leben mit der Natur! Wir legen Blühwiesen an, pflanzen Streuobstwiesen und geben unser Bestes die Natur für unsere Nachwelt zu erhalten. Unser Hof ist umgeben von konventionell genutztem Feld, doch Dank einer vorrausschauenden Flurbereinigung in Oberschwarzach, haben wir ganz viele Landschaftselemente. Gemeint sind damit Hecken, die nicht die Gemeinde alleine pflegen kann. Das machen hier die Bauern. Schau ich mich um, dann kann ich in den letzten Jahren feststellen: die Artenvielfalt nimmt zu. Wir haben Libellen, Rebhühner, Fasane, Hasen, Füchse, … Das alles, obwohl wir konventionell bewirtschaften. Ich glaube, dass die meisten unserer Berufskollegen nicht die Umwelt zerstören wollen. Ich erlebe im Gegenteil: Kollegen, die sich überlegen, wie dünge ich, wann dünge ich …  Man will Geld verdienen – aber nicht um jeden Preis, denn als Familienbetrieb planst du für Generationen. Daher finde ich es eine bodenlose Frechheit wieder und wieder die Schuld den Bauern zu geben. Ja, es gibt schwarze Schafe! Aber: Ja, wir Bauern können noch etwas verändern, wir sind auch bereit dazu, aber ist es der Rest auch?

    Yvonne Ruß,  97516 Oberschwarzach

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