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    Scheurings Wort zum Samstag: Das Faschingsvirus greift um sich

    In diesen Wochen zeigt unsere Gesellschaft Ausfallerscheinungen, die zu großer Besorgnis Anlass geben. Millionen Bürger wurden wieder, wie jedes Jahr, vom Faschingsvirus befallen. Die Infizierten leben dann in ihrer eigenen Welt, in der die Gesetze der Vernunft außer Kraft gesetzt sind. Sie bilden sich ein, es gebe eine fünfte Jahreszeit, bringen das öffentliche Leben durch Bildung sogenannter Gaudiwürmer durcheinander und wollen unbedingt mit anderen schunkeln. Sie erkennen staatliche Autoritäten nicht an und folgen stattdessen Sitzungspräsidenten oder Faschingsprinzen. Sie leben in Parallelgesellschaften mit eigener Gerichtsbarkeit (Elferrat) und verleihen einander Orden. Manche treten paramilitärischen Einheiten wie der Ranzengarde bei und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück, indem sie versuchen, Rathäuser zu stürmen. Einige Narren werden Opfer zwanghafter Reimsucht und gehen in die Bütt, andere schreien plötzlich ohne Vorwarnung unverständliche Losungen wie „Helau“ oder „Alaaf“, wieder andere entwickeln Wahnvorstellungen und verkünden singend, es stehe ein Pferd auf dem Flur. Sobald das Faschingsvirus vom gesamten Körper Besitz ergriffen hat, stellen sich die Infizierten auf fahrende Lastwagen oder Traktoren und bewerfen Leute auf der Straße mit Bonbons, Fruchtgummi und Schokolade.

    Harmlose Sachbearbeiter halten sich plötzlich für Piratenkapitäne oder verkleiden sich als Gorilla oder Klodeckel. Diese Ausfallerscheinungen sind zum Glück zeitlich begrenzt. Wenn die Infektion abklingt, können sich alle dann wieder auf den normalen Irrsinn konzentrieren.

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