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    Scheurings Wort zum Samstag: Das große Ratespiel

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    Wenn der interne Verstand – also der in einer Firma, einem Ministerium oder im eigenen Kopf – nicht ausreicht, ist es üblich und ratsam, „externen Sachverstand“ einzuholen. Besonders nötig hat dies offenbar die Bundesregierung. Sie hat, wie diese Woche bekannt wurde, seit dem Jahr 2006 mindestens 1,2 Milliarden Euro für externe Berater ausgegeben. Und das, obwohl die Ministerien bereits mehr als 20 000 Mitarbeiter beschäftigen, um Rat einzuholen. Offenbar reicht deren Ratekompetenz aber nicht aus. „Lass Dir raten, trinke Spaten“, rät eine traditionsreiche Brauerei. Dieser Rat immerhin ist gratis, auch wenn er der Bundesregierung wohl nicht weiterhilft. Heute wird überall beraten. Es gibt Unternehmensberater, PR-Berater, ja sogar Biberberater. Auch im Sport wird beraten. Bundestrainer Joachim Löw hat nicht nur Assistenten und einen großen Mitarbeiterstab, sondern selbstverständlich auch noch Berater. Bei der letzten WM war er ja sehr gut beraten. Ich möchte nicht wissen, wer die Erbauer des Berliner Hauptstadtflughafens berät. Diese Spitzenleistung ist sicher nicht billig. Es muss, zumindest auf Regierungsseite, preisgünstigere Methoden geben, Rat einzuholen. Gut wäre es, in jedem Ministerium ein Rathaus einzurichten, in dem alle Ministerialräte und Oberamtsräte mitraten müssen, bis eine Lösung gefunden ist. Oder wäre es sinnvoll, wie einst in der DDR einen Staatsrat mit einem Staatsratsvorsitzenden zu installieren? Am besten ist es sicher, wenn Politiker, statt teure externe Berater zu engagieren, im Zweifelsfall einen Telefonjoker anrufen. Günstiger wäre es auf jeden Fall.

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