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    Scheurings Wort zum Samstag: Über den Brauch des Hergehens

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    Wir wissen es alle, und wenn wir es einmal vergessen, dann kommt jemand daher und erzählt es uns wieder: dass das einzig Beständige im Leben die Veränderung ist. Alles ist in Bewegung, es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Der eine geht her, der andere geht dahin. Vor allem das Hergehen spielt im Sprachgebrauch vieler Menschen eine große Rolle. Neulich gab mir jemand den Rat: „Du musst hergehen und die Sache ganz anders anpacken!“ Und ich fragte mich: Wieso muss ich denn erst hergehen? Ich bin doch schon da! Ein anderer beschwerte sich: „Die sind einfach hergegangen und haben die Preise erhöht!“ Und ich fragte mich: Wer? Ist wohin gegangen? Jemand erzählt mir: „Der Putin ist einfach hergegangen und hat die Krim annektiert.“ Nein, er ist eben nicht hergegangen! Er ist schön dort geblieben, wo er war. Aber der geht einfach her und behauptet so was. Ich bin dann selbst hergegangen und habe mich gefragt: War es im Lauf der Geschichte nicht schon immer so, dass Menschen einfach hergegangen sind? Ja, so war es. Bei der Völkerwanderung sind Völker hergegangen, haben sich eine Zeit lang am Kopf gekratzt, und dann sind sie einfach dageblieben. Gerade unser Land war häufig Schauplatz von Völkerwanderungen. Dieses ständige Kommen und Gehen und Hergehen hat sich tief in unser kollektives Bewusstsein eingeprägt. Davon zeugen auch zwei der erfolgreichsten deutschen Bücher der vergangenen Jahre. Das eine heißt „Ich bin dann mal weg“, das andere „Er ist wieder da“. Es ist ein ewiges Hin und Her. Man muss einfach hergehen und das auch mal so sehen.

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