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    Scheurings Wort zum Samstag: Was nun, Britannia?

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    Die Briten sind berühmt für ihren Humor, der – mit Ironie gewürzt und ernsthaft vorgetragen – für manche nur schwer als Humor zu erkennen ist. Das erklärt einiges rund um den Brexit. In dieser Woche gab es im britischen Parlament wieder mehrere lustige Abstimmungen über den EU-Austritt. Dabei kam heraus, dass die Abgeordneten den ausgehandelten Vertrag nicht wollen, einen Brexit ohne Abkommen aber auch nicht, sondern lieber eine Verschiebung. Wie geht es nun weiter? Premierministerin Theresa May will nächste Woche erneut abstimmen lassen – vermutlich wieder „After Eight“. Das ist der Name eines Schokopfefferminztäfelchens, das als Sinnbild und Verkörperung altehrwürdiger britischer Traditionen betrachtet werden kann. Gemäß dem Gesetz von „After Eight“ finden in London viele Brexit-Abstimmungen „after eight“, also nach 20 Uhr, statt. Zur Wahl standen bislang ein harter Brexit, ein weicher Brexit, ein gerührter und ein geschüttelter Brexit. Wenn die nächste Abstimmung wieder keine Lösung bringt, will das Parlament über weitere Optionen diskutieren wie einen Brexit mit Extrawurst, einen Brexit mit dreijähriger Garantie, einen Brexit mit Umtauschmöglichkeit bei Nichtgefallen, einen Brexit mit Backstop oder Stop-and-go, einen Bio-Brexit oder einen Brexit in Form eines dreieckigen Sandwiches mit Schokopfefferminzgeschmack. Am Ende aber werden die Briten fristgerecht austreten, und Theresa May wird in Brüssel verkünden: „Das ganze Theater war nur Spaß. Habt ihr wirklich geglaubt, wir meinen das ernst?“ Ja, so ist er, der britische Humor.

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