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    Scheurings Wort zum Samstag: Wo bleibt die Philosophie?

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    In dieser Woche hat das Schicksal oder der DFB entschieden, dass Bundestrainer Joachim Löw im Amt bleibt. Er muss dem DFB nun eine „umfangreiche Analyse“ des Debakels bei der Fußball-WM vorlegen. Wenn Sie mich fragen: Die Ursache der Misere liegt doch klar auf der Hand. Die deutsche Mannschaft ist gescheitert, weil sie diesmal keine Philosophie hatte. Das hat auch der Videobeweis eindeutig gezeigt. Seit seinem Amtsantritt 2006 dozierte Löw ständig über seine Philosophie. Sie sei auf „Ballbesitz, Dominanz und Variabilität“ ausgerichtet, erklärte er, oder: „Die Philosophie sitzt, sie ist gefestigt.“ Und diesmal? Die Philosophie spielte in Löws Denken keine Rolle mehr – weder die „Philosophie des Offensivfußballs“, noch die der Ontologie, nicht einmal die „Philosophie des Torwartspiels“, die Oliver Kahn saudischen Torhütern vermittelte. Den Spielern fehlte also ein geistiges Grundgerüst. Das Fleisch war willig, aber der Geist war schwach. Die Ideen von Martin Heidegger, der beim FC Meßkirch spielte, waren im deutschen Spiel nicht zu erkennen, auch nicht die von Nietzsche und Schopenhauer, nicht einmal die von Peter Sloterdijk oder Richard David Precht. Ob Löw auf der Basis der normativen Kraft des Faktischen im Hinblick auf Phänomenologie und Existenzialismus noch die intellektuelle Kompetenz besitzt, dem Fußball Perspektiven aufzuzeigen, ist fraglich. Vielleicht sollte besser Peter Sloterdijk die Mannschaft trainieren, mit Richard David Precht als Co-Trainer. Das könnte neue Ideen ins Spiel bringen und der Mannschaft philosophisch wieder auf die Beine verhelfen.

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