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    GLOSSE

    Scheurings Wort zum Samstag: Worte aus Watte

    Außenminister Heiko Maas
    Außenminister Heiko Maas und seine EU-Amtskollegen kommen in Brüssel zu einem Sondertreffen zusammen, um über die Krisenherde in Nahost und Libyen zu beraten. Foto: Nicolas Landemard/Le Pictorium Agency via ZUMA/dpa

    Edel sei der Mensch, hilfreich und gut, schrieb Johann Wolfgang von Goethe. Ein schönes Ziel. Denn in Wahrheit ist der Mensch oft weder edel noch gut – und auch nicht hilfreich. Bundesaußenminister Heiko Maas hat diese Woche zum Iran-Konflikt gesagt, die Drohungen von US-Präsident Donald Trump seien „nicht sehr hilfreich“.

    Er berichtete außerdem von einem Telefonat mit seinem US-Kollegen Mike Pompeo und erklärte, dieser sei „nicht so sehr erfreut“ darüber gewesen, dass Deutschland dem Vorgehen der USA „nicht hundert Prozent“ zugestimmt habe. Was will uns dies sagen? Um das Diplomaten-Deutsch in Klartext zu übersetzen: Ich nehme an, Maas meinte, Trumps Drohungen seien eine riesengroße Dummheit, also überhaupt nicht hilfreich. Und Pompeo sei darüber, dass man Washington „nicht hundert Prozent“ – also gar nicht – zugestimmt hat, nicht nur „nicht so sehr erfreut“, sondern stinksauer.

    Wenn Ihnen jemand – nur mal so als Beispiel – eine runterhaut, würden Sie ja auch nicht sagen, die Aktion sei „nicht sehr hilfreich“, Sie stimmten ihr „nicht hundert Prozent“ zu und seien „nicht so sehr erfreut“ darüber. Man könnte diese Art zu reden, dieses die nicht vorhandene Wucht der ohnehin schon weichgespülten Worte in Watte verpackende, in großem Sicherheitsabstand den heißen Brei umkreisende und dadurch mächtig auf den Senkel gehende Gesülze auch einen sprachlichen Eiertanz nennen, der die Gehirne so vernebelt, dass man am Ende nicht mehr weiß, ob man nun Männchen oder Weibchen ist. Aber das wäre vermutlich nicht sehr hilfreich.

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