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    Unterm Strich: An Winnetou versündigt?

    In Bad Segeberg finden derzeit die Karl-May-Festspiele statt. Die Geschichten um den edlen Apachen-Häuptling Winnetou bereiten Tausenden von Besuchern Freude, manch strenge Beobachter aber erheben Einspruch. Sie besitzen nämlich die seltene Gabe, sich in die Lage anderer Völker und Kulturen versetzen zu können, ohne dass diese es überhaupt wollen. Über diese Gabe verfügt auch die Professorin Mita Banerjee am „Obama Institute for Transnational Studies“ in Mainz. Sie empörte sich schon vor den Festspielen, dass die Darstellung Winnetous in Deutschland klischeehaft, wirklichkeitsfremd und kolonialistisch sei. Das steht wissenschaftlich auf soliden Beinen, hat doch ein Pierre Brice als Winnetou unser Bild über die Indianer jahrzehntelang geprägt. Vielleicht aber hat die Professorin übersehen, dass Karl May bloß spannende Fantasie-Geschichten erzählt. Das Thema „Indianer“ ist freilich ein eher delikates, zumal in Deutschland mit seiner ausgeprägten Kultur der Betroffenheit und des Fremdschämens. Da hat der Bundesverband deutscher Pfadfinder „mit Schrecken“ festgestellt, dass man lange Zeit indianisch anmutende Zelte aufgestellt und sich so an fremder Kultur rassistisch versündigt habe. Den Sioux-Indianer Robert Alan Packard, der im Film „Schuh des Manitu“ mitspielte, indes macht die „überzogene politische Korrektheit“ wie im Falle der Karl-May-Festspiele und „diese Bevormundung durch Außenstehende wirklich wütend“. Wie sagte schon Häuptling Lame Deer: „Siehe die Dinge mehr mit dem Auge in deinem Herzen an als mit dem Auge in deinem Kopf.“

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