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    Unterm Strich: Boulevard der Kanzler

    Es wird eng für Angela Merkel und Gerhard Schröder. Als die Stadt Bonn dem früheren Bundeskanzler Willy Brandt die Ehre erwies, benannte sie dafür kurzerhand einen Teil der Adenauer-Allee um. Für die Helmut-Kohl-Allee, die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer kürzlich einweihen durfte, musste die Friedrich-Ebert-Allee 400 Meter abgeben. Sie ist zwar noch lang genug, um irgendwann einmal Platz für eine Merkel- oder eine Schröder-Allee zu schaffen, die aber würde dann schon gefährlich nahe an eine triste Autobahnauffahrt rücken. Und während an der Kohl-Allee ein so renommiertes Haus wie die Bundeskunsthalle steht, würde die nächste Kanzlerallee nur noch am Bundesversicherungsamt und an der Postbank vorbeiführen. Nüchtern betrachtet sind alle diese Alleen ein Teil der Bundesstraße 9, die parallel zum Rhein durch die alte Hauptstadt führt – ein Boulevard der Kanzler, wenn man so will. Helmut Kohl jedenfalls wäre zufrieden mit dem Teilstück, das Bonn ihm dort zugesprochen hat. Dass es die Bundeskunsthalle überhaupt gibt, ist auch dem Altkanzler zu verdanken. Nach Helmut Schmidt ist ein Platz zwischen Ebert- und Kohl-Allee benannt. Andere Größen der Bonner Republik wie Ludwig Erhardt müssen sich mit mehr oder minder breiten Seitenstraßen in der Nähe des Kanzlerboulevards begnügen. Franz Josef Strauß immerhin hat nicht nur eine einfache Strauß-Straße bekommen, sondern wie sein ewiger Rivale Kohl eine eigene Allee. Als hätte Bonn damals schon von Schwarz-Grün geträumt, geht die Strauß-Allee nahtlos in die Petra-Kelly-Allee über.

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