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    Unterm Strich: Chancen für politische Quereinsteiger

    Nicht erst seit Schauspieler Ronald Reagan US-Präsident wurde oder ein Komiker wie Beppe Grillo die italienische Politik aufmischte, wissen wir, dass es von Vorteil für die eigene politische Karriere sein kann, wenn man anderen etwas vormachen kann. Die Zeiten werden für biedere Juristen, oder Menschen die sich durch ein normales Politik-Studium für die weichen Sessel der Parlamente qualifizieren wollen, deutlich härter. Heute muss man schon auffallen, etwa durch ulkige Frisuren wie Donald Trump und Boris Johnson, die man am besten formfest erhält, wenn man kopfüber in jedes Fettnäpfchen springt. Auch eine sportliche Figur ist längst kein Plus mehr im politischen Wettkampf, wie Trump und die nordkoreanische Raketen-Roulade eindrucksvoll beweisen. Mit Wolodymyr Selenskyj regiert nun einer die Ukraine, der sogar schon Fernseh-Erfahrung als Regierungschef hat. In der populären TV-Serie „Diener des Volkes“ mimt er einen Geschichtslehrer, dessen Wutausbruch über die Zustände in der Ukraine als Video auf Youtube landet. Die Leute sind so begeistert von dieser Form der „Wahrheit“, dass sie ihn zu ihrem Präsidenten wählen. Und weil das im Film geklappt hat, haben sie ihn jetzt auch im richtigen Leben gewählt. Auch bei uns reicht es ja offenbar schon, wenn man Kramp-Karrenbauer heißt, um bei der Bundeswehr den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Steht zu befürchten, dass Legionen von „Influencern“, die heute noch im Internet Schmink-Tipps oder Kochrezepte schönreden, uns schon morgen politisch gesehen anschmieren und die Suppe versalzen.

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