• aktualisiert:

    Unterm Strich: Comeback in Aspik

    Vegetarier müssen jetzt stark sein, und Veganer hören am besten an dieser Stelle auf und blättern gleich eine Seite weiter. Umgeblättert? Bitte spätestens: jetzt! Wir wollten nämlich einmal, wenigstens einmal hier richtig herumsülzen. Sülzen mit allem drum und dran. Kalbskopf und Schweineknochen auskochen für den Fond. Suppengemüse köcheln und Zwiebeln rußschwarz anbrennen lassen für die Farbe. Später Sülzepulver hinein in den Sud, also Gelatine, damit es richtig schön glibberig wird. Bis zu zwei Stunden sieden Gemüse und Fleisch – Zeit genug, sich vor dem Schichten ein paar Gedanken über das kleine Comeback in Aspik zu machen. Denn Fachleuten zufolge feiert das ehemalige Arme-Leute-Essen, das aus den nicht ganz so attraktiven Teilen des Tieres gemacht wird, gerade ein Revival. Das Schwein wird heute ja gerne wieder von der Nase bis zum Schwanz verwertet, da bietet sich Sülze an. Außerdem, sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, sind Sülzeprodukte fett- und kalorienarm. Kreativ sein kann der Sülzer auch: Er kann Schinken, Zunge oder Wurst nehmen, Eier und Gürkchen auch, und dann hübsche Muster legen oder ganze Wappen und Gemälde. Vor 100 Jahren übrigens soll bei den sogenannten Sülzeunruhen in Hamburg eine wütende Volksmenge einen Sülzeproduzenten in die Kleine Alster geschmissen haben, aufgebracht vom Gerücht, seine Sülzefirma habe Ratten und Katzen . . . Sei's drum. Sülze ist wieder schick und wird als „Dschungelcamp für Besser-Esser“ empfohlen, bei dem sich wohlig gruseln lässt. Und morgen sülzen wir an dieser Stelle dann, versprochen, wieder rein pflanzlich.

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!