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    Unterm Strich: Der moderne Sisyphos schleppt Kühlschränke

    Es gibt die sieben Weltwunder der Antike, und es gibt sieben Weltwunder der Moderne. Man kennt die Heldensagen des Herakles, der Vögel vergrämt, Stiere eingefangen und Rinderställe entmistet hat, und man weiß von Sisyphos, der zur Strafe für seine Untaten stets den selben Stein bergauf wälzen musste, ohne je ganz den Gipfel zu erreichen. War dieser Stein Teil einer größeren Menge Bauschutts und seine Entsorgung damit illegal? Man weiß es nicht. Leider gibt es von dieser antiken Arbeitsbeschaffungsmaßnahme keine Videobilder, noch nicht einmal Handyaufnahmen. Es bedarf nicht viel Fantasie, um diesen armen Tropf als Star der Sozialen Medien zu sehen. Aber Zeus sei Dank: Nun gibt es den legitimen Nachfolger, nicht in Griechenland, nein, in Spanien. Dort wusste ein Mann sich kürzlich nicht anders zu helfen, als seinen alten Kühlschrank des Nachts den Abhang hinunterzustoßen. Sein Kumpel – welch Geistesblitz! – filmte die glorreiche Tat auch noch mit dem Handy. „Lass uns recyceln!“, hört man die beiden Intelligenzbestien auf dem Clip sagen, den sie – berauscht von ihrem Tun – anschließend ins Internet stellten. Die Polizei entdeckte das Video und ging der Sache nach. Nun folgte jener Teil, der zum modernen Heldenepos werden könnte. Die Beamten ließen die beiden Männer die Böschung hinabklettern und das schrottreife Teil bergen. Wie einst Sisyphos stemmten sie das stählerne Relikt der Überflussgesellschaft keuchend den Hang nach oben. Für alle, die sich in 2000 Jahren mal wieder an dieser Heldentat ergötzen wollen: Es gibt ein Video von der Aktion.

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