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    Unterm Strich: Der reine Horror

    Der ganz normale Wahnsinn ist uns längst nicht mehr gut genug. Es muss schon der Mega-Wahn sein, um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu erregen. Also haben wir im Sommer nicht Sommer, sondern Horror-Hitze samt Rekord-Temperatur, wenn nicht sogar Wüsten-Wahnsinn mit Wassermangel und Sahara-Sonne. Dann Gewitter-Walze mit Temperatursturz und Regenflut. Fast nahtlos folgt die Kältewelle mit Herbst-Tornados und Blätter-Bergen. Dann ist es nicht mehr weit zu Blitzeis-Kälte samt Massen-Crash, und das Land versinkt dank Russen-Peitsche (wahlweise Polar-Peitsche), Schneewalze und Horror-Glätte im Chaos. Horror ist einfach „mega“, um aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen – nicht nur beim Wetter. Wir sind von Horror umzingelt, ob ein Hai in Strandnähe ist oder die Ehe eines Promis in der Krise. „Horror im Englischen Garten!“ unkt eine Boulevard-Zeitung. „Der Horror trägt einen Namen: Elternabend“, dichtet der ach so seriöse NDR. Eine Frau hat sogar im Supermarkt „ein Horror-Erlebnis“ (vermutlich beim Anblick von Tofu-Burgern an der Wursttheke). Kicker hadern schon jetzt mit dem Los-GAU, der ihnen bei der übernächsten Weltmeisterschaft eine Horror-Gruppe mit Hammer-Gegnern beschert. Beliebt ist auch die Horrorgrippe. Gegen die hilft ein Horrorfilm – empfehlen jedenfalls Horror-Experten wie Dr. F. Ranken-Stein. In Fachkreisen heißt das Phänomen „brutalstmöglichst gesteigerter Superlativismus“. Und Wladimir Iljitsch Lenin behauptet: „Maßlose Übertreibung erleichtert das Verständnis.“ Aber seine Lehren gelten heute weitgehend als reiner Horror.

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