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    Unterm Strich: Die Perversion des Luxus

    Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat den Flieger stehen lassen und ist lieber mit der Segeljacht nach New York gereist. Als deutscher Autofahrer fühlt man sich heute wie einer der Apokalyptischen Reiter, so schlecht ist das Gewissen, wenn man mal wieder von einer längeren Reise zurückkommt. Und vom Fleischverzehr wollen wir gar nicht reden. Wer ein Kilo Rinderhack kauft, sollte besser eins dieser neuen CO2-Zertifikate mit erwerben. Oder am besten gleich einen Baum in Nicaragua pflanzen. Der ökologische Ablasshandel hat da manches im Angebot. Alles, wirklich a-l-l-e-s, kommt dieser Tage auf den Prüfstand einer zusehends kritischen Öffentlichkeit. Das Projekt könnte ja auch kaum größer sein. Es geht dabei um nicht mehr und nicht weniger als die Rettung der Welt. Doch die Moral der Gesellschaft verschwindet gerne mal hinter der Freiheit des Einzelnen. Im Magazin mit dem bezeichnenden egozentrischen Titel „me“ wirbt eine ganzseitige Anzeige für das ultimative Reiseerlebnis. Wem die 413 Quadratmeter große Regent Suite auf dem Luxusdampfer Seven Seas Splendor zu popelig ist, dem dürfte dieses Angebot gefallen: in 22 Tagen um die Welt, von Sydney über Paris und Rio bis nach Französisch Polynesien – als Flugkreuzfahrt im edlen Privatjet. Darauf muss man erst mal kommen. Die Perversion des Luxus scheint so grenzenlos wie die Freiheit über den Wolken. Ein deutscher Ingenieur hat passend dazu in seiner Doktorarbeit die Klimamaut angeregt. Bravo! Zu dumm, dass die Idee nicht vom Bundesverkehrsminister kam. Man hätte ihm dafür keinen Doktortitel verliehen, aber ein paar Sympathiepunkte allemal.

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