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    Unterm Strich: Die Queen und das Ungeheuer

    Kleines Rätsel in dieser so denkwürdigen Zeit: Was haben die Queen und das Ungeheuer von Loch Ness gemein? Richtig, beide sind derzeit untergetaucht. Darf man das sagen, ohne in die Nähe von Majestätsbeleidigung zu geraten? Während es um Nessie schon länger seltsam still ist, hat sich Elizabeth II. auf ihren Landsitz nach Schloss Windsor zurückgezogen. Zu ihrem Geburtstag gab es keine Feier – diese Art von Pomp ziemt sich nicht, wenn die Insel unter Corona darbt. Immerhin hat sie sich unlängst übers Fernsehen an ihr gebeuteltes Volk gewandt, das geglaubt hatte, mit dem Austritt aus der EU das Schlimmste gerade hinter sich zu haben. Ihre Rede an die Nation hat einigen mal wieder klar gemacht, was sie an dieser Monarchin haben. Während Premier Boris Johnson in der Krise wütete wie ein fiebernder Feldherr und – noch ehe er selbst vom Virus heimgesucht wurde – von Krieg sprach, wahrte die Queen zu jeder Zeit die Contenance. Wie sie da saß im peppermintgrünen Kleid, die Hände im Schoß, und die besseren Zeiten beschwor, „wir werden wieder bei unseren Familien und Freunden sein, wir werden uns wiedersehen“, das hatte etwas Stoisches. Mit ihr im Rücken lässt es sich besser eine Insel sein, die EU kritisieren und auch Corona leichter ertragen. Weil sie über kaum jemanden herrschen kann, beherrscht sie sich selbst – das ist ihr Mittel der Macht. Die wäre nur dann noch gelinde zu steigern, wenn sich doch noch ein Nachweis für das Ungeheuer von Loch Ness finden ließe. Für diesen Fall hat der Buckingham Palace schon vor Jahrzehnten in Aussicht gestellt, das Tier nach Elizabeth zu benennen.

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