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    Unterm Strich: Die chinesische Arbeitszeitrechnung

    China, das Land der Morgenröte, muss uns Menschen zwischen Altmain und Rhöner Nebeln stets rätselhaft bleiben. Auch wenn es wahrscheinlich so ist, dass den Chinesen schon zehn Prozent der hiesigen Firmen gehören und es nur eine Frage der Zeit ist, dass auch das kriselnde Kloster Kreuzberg zu einem deutsch-chinesischen Joint Venture wird und die Haxe Szechuan Style eingeführt wird. China ist ein Land, dessen Menschen uns mit ihrem Fleiß allzeit überraschen. So flink sind sie, dass man beim Chinesen um die Ecke sein Essen schon serviert bekommt, noch ehe man Nummer 76 überhaupt bestellt hat. China ist bekannt als Reich der Mitte. Und doch werden dort Gedanken geboren, die wir ganz am Rand der Hirnrinde ansiedeln. Jack Ma, milliardenschwerer Gründer des Amazon-Herausforderers Alibaba, findet, dass eine 72-Stunden-Woche für den Menschen „ein Segen“ ist. Gerade junge Leute seien wie dazu geschaffen, von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends an sechs Tagen in der Woche zu arbeiten. Man könnte nun meinen, Jack Ma habe einst das Unternehmen Aliblabla gegründet. Mas Forderung gibt immerhin einen Hinweis darauf, weshalb chinesische Küche so fix geht: damit man hinterher mehr Zeit zum Arbeiten hat. Auf der anderen Seite haben wir keine 72 Stunden gebraucht, um einen Haken an dieser kapitalistischen Idee zu finden. Wenn die Menschen nur noch an einem freien Tag Zeit haben, um bei Alibaba viel zu wenige Bestellungen aufzugeben, dann müsste dieses System an Umsatzschwäche zugrunde gehen. Wir wünschen innig, dass sich Jack Mas Ideen durchsetzen.

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