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    Unterm Strich: Die zwei Seiten der Klimahysterie

    Das Klima hat es geschafft, nicht nur Topthema, sondern in Verbindung mit Hysterie auch Unwort des Jahres zu werden. Die „Unwort-des-Jahres-Jury“ (was für ein Begriff!) hat sich für Klimahysterie entschieden, weil damit Klimaschutz und die Leute dahinter diffamiert würden. Anders ausgedrückt: Die Bemühungen zur Rettung des Klimas werden sozusagen als kollektive Psychose gebrandmarkt – oder wahlweise als unzulässige Überhitzung klimabewegter Gemüter. Doch wie häufig lassen sich Worte unterschiedlich interpretieren, wozu das Klima, hier in seiner banalen Form als Wetter, nicht unerheblich beiträgt. Mitte letzter Woche, wir schrieben den 15. Januar bei 14 Grad, standen mancherorts die Cafeteria-Stühle draußen. Ein kecker Kellner bediente im T-Shirt, noch keckere Damen schlürften sonnenbebrillt Eiskaffee. Otto-Normal-Nebenkostenzahler scheint es klimatechnisch nicht zu stören, dass heuer die Heizkosten geringer ausfallen als in Jahren, in denen der Januar frostet. Sonnenbaden und Frühlingsgefühle im Gefolge der drei Könige – auch eine Art Klimahysterie. Wer interessiert sich schon für den Klimawandel, wenn er nicht fürchten muss, dass ihm sein Mais auf den Feldern vertrocknet und er noch vier Dosen davon in der Vorratskammer hat. Mit dem Regen ist es genauso. Alle wollen ihn – nur nicht jetzt und aufs eigene Haupt. Da wird in der Wahrnehmung ganz schnell aus bitter nötigen Niederschlägen echtes Sauwetter. Mal sehen, wie groß die Klimahysterie wird, falls im Februar der Winter doch noch kommt – mit Schnee, Eis und minus 20 Grad und alle dafür einen Sündenbock suchen.

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