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    Unterm Strich: Eine Mail an den Mai

    Der Mai ist ein kleiner Ganove. Er verschleiert oft seine Identität und tritt unter mehreren Pseudo-Namen auf. Gerne nennt er sich Wonnemonat. Mitunter auch Lenz. Der wiederum – und jetzt wird es kompliziert – scheint eine gewisse Veronika ganz gut zu kennen. Welche Veronika gemeint ist, konnte bisher nicht geklärt werde. Es gibt allerdings Hinweise, dass am Ende doch wieder die Ferres dahinter steckt. Der Mai scheint im Hauptberuf Philosoph zu sein. Er hat unzählige Gedichte voller sehnsüchtigem Verlangen und verlangender Sehnsucht geschrieben. Ein Monat wie ein Kuss. Leider sorgt der Mai auch regelmäßig für Engpässe, vor allem bei blauen Bändern. Wie begehrt der Mai ist, zeigen die Suchmaschinen: Wer den Mai googelt, bekommt zwar 4,4 Milliarden Treffer – weiß aber danach so viel wie vorher. Dass der Mai so schwer zu greifen ist, könnte daran liegen, dass er ständig alles neu macht. Gleichzeitig hinterlässt er überall Spuren: als Maibowle, Maiglöckchen und Maibaum. Es gibt ihn als Mais und sogar als Käfer ist er unterwegs. Leute, die den Mai angeblich kennen, behaupten, dass er am Anfang sehr ausgelassen ist und immerzu tanzt. Andere wiederum sind sich sicher, man würde den Mai daran erkennen, dass alle Vögel da sind. Unklar ist, ob der Mai eher pfeift, summt, singt oder trillert. Manche schreiben ihm eine Mail, bekommen aber nie Antwort. Besonders nahe kam dem Mai der Lyriker Friedrich Hebbel, der die Maitage als kategorischen Imperativ der Freude bezeichnete. Was eindeutig schöner ist als alle 4,4 Milliarden Mai-Treffer bei Google zusammen.

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