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    Unterm Strich: Essen aus aller Welt

    Dürfen Hamburger auch Frankfurter essen? Sind ihnen dafür die Wiener Wurst? Essen ist irgendwie auch ein Bekenntnis zur Region, wenngleich ein missverständliches: Wir finden Spaghetti Bolognese auf Speisekarten in aller Welt, nur nicht in Bologna – sagen italienische Mamas, und die müssen es ja wissen. Man staunt, was in Zermatt als Züricher Geschnetzeltes verkauft wird und in Weimar als Leipziger Allerlei. Ein Koch, der in Wien kein Schnitzel auf der Karte hat, ist wirklich ein Wiener Würstchen. Gibt es im Vatikan Nonnenfürzle und in Mekka Schweinfurter Schlachtplatte? In China gilt vielleicht als Regime-Kritiker, wer Peking-Ente bestellt. Aber kriegen Sie auch so ein Urlaubsgefühl bei Königsberger Klopsen und Salzburger Nockerln, Parmaschinken, Schwarzwälder Kirschtorte und Toast Hawaii? Fühlen Sie Entdeckerfreuden, wenn Sie auf der Speisekarte geheimnisvolle Namen lesen wie Süderlügumer Eier, Uphusumer Blauschwanz oder Quickborner Kringel? Und im Advent geht es nicht um Dresdner Christstollen „oder“ Lübecker Lebkuchen, sondern um „und“. Emmentaler, Edamer, Massdammer oder Gouda – alles Käse. Aber schon Otto von Bismarck grollte: „Die Franzosen neigen dazu, sehr dünne Steaks zu grillieren, die kaum 200 Gramm wiegen. Für mich ist das Aufschnitt.“ Um die Frage, ob die Thüringer Bratwurst der groben Nürnberger das Wasser (besser: Bier) reichen kann, wären früher Kriege entbrannt. Alles Wurst in dem Moment, in dem Sie die Bedienung fragen, was sie empfehlen kann – und die sagt mit Engelsgeduld: „Frängische Brodwöärschd!“

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