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    Unterm Strich: Fünf Fliegen im Fenster

    Früher galt als gottgefälliges und großherziges Werk, wer Geld für Fenster einer Kirche spendete. In unseren Tagen will sich Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in die Schar dieser frommen Menschen einreihen. Er hat für ein 13 Meter hohes Kirchenfenster in der Marktkirche von Hannover „rund 100 000 Euro für die Kosten bereitgestellt“, formulierte es die „Bild“-Zeitung mehrdeutig. Der Entwurf seines Freundes und „Malerfürsten“ Markus Lüpertz liegt im Modell vor. Es zeigt Martin Luther, der Ähnlichkeit mit Schröder haben soll, dann den Gekreuzigten und ein Frauengesicht. Mehr ins Auge fallen indes fünf übergroße Schmeißfliegen in dem sogenannten „Reformationsbild“. Luther hielt sie für Gesandte des Teufels, die ihn angeblich beim Übersetzen der Bibel stören wollten, weshalb er sie mit dem Tintenfass bewarf. Für den edlen Spender Schröder wäre es „ein großer kultureller Gewinn nicht nur für die Kirchengemeinde, sondern auch für Hannover“, zitierte ihn die „Welt“, zumal die Landeshauptstadt vor Kulturschätzen nicht überquillt. Wäre da nicht Quertreiber Georg Bessen, der Stiefsohn des Stararchitekten Dieter Oesterlen († 1994), der die Kirche nach dem Krieg wieder aufgebaut hatte. Bei dem Nachfahr liegen die künstlerischen Rechte am Erscheinungsbild der Backsteinkirche bis 2069. Während man nun versucht zu schlichten, geht das Geraune um den tieferen Symbolgehalt der Insekten weiter. Keinesfalls sind sie eine Anspielung auf Schröders fünf Ehefrauen. Die schwarzen Schmeißfliegen stünden für Luthers Kampf gegen das Böse, sagte der 77-jährige Künstler.

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