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    Unterm Strich: Häuslicher Artenschutz

    Es ist ja nicht so, dass der achtsame Mensch von anno 2019 der Apokalypse unseres Planeten einfach tatenlos zusieht. Er hört die Hiobsbotschaften und möchte auch seinen Beitrag in punkto Artenschutz leisten. Längst hat er die Geranien auf den Fensterbänken und auf dem Balkon entfernt und Mehlsalbei, Zweizahn, Leberbalsam und Wolfsmilch als Insektenmahlzeit bereitgestellt. Scham überkommt ihn, wenn er die Bestandsbilanz jener Wesen liest, die er früher mal auf ganz unstatthafte Weise für lästig hielt. Weil deren natürliche Lebensräume vergiftet oder zubetoniert sind, bietet er gerne sein Heim und im Besonderen die Küche als Biotop für fliegende und kriechende Arten an. Chemische Abwehrmittel sind aus moralischen Gründen tabu, Fliegenpatschen aus dem Haus verbannt und Insektengitter abgebaut. Spinnen flößen keine Angst mehr ein. Bei geöffnetem Fenster sind über Nacht dann Nachtfalter, Heuschrecken oder Marienkäfer zu Gast. Obst bleibt unbedeckt stehen, so dass Tausende von Fruchtfliegen ihr Auskommen haben. Nur ein Raum und eine blutsaugende Spezies quälen das gute Gewissen: Soll das Schlafgemach weiterhin eine rabiat zu verteidigende Verbotszone bleiben? Immerhin tragen die angeblichen Biester, auch Schnaken oder im Fränkischen – wer weiß das schon außer dem Sprachforscher Anthony Rowley? – auch „Podhomml“ genannt, auch zur Artenvielfalt bei. Und die paar Stiche? Da lachen die geplagten Leute am Ammersee nur drüber. Des Menschen Blut ist halt das Lebenselixier der Plagegeister. Aber ansonsten brauchen sie und die Natur Menschen eigentlich nicht.

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