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    Unterm Strich: Ins Dasein geworfen

    An einem jeden Arbeitstag der Woche versuchen wir an dieser Stelle, Ihr Dasein etwas zu versüßen. Denn wir sind uns sicher, dass auch Sie niemals gefragt worden sind, ob Sie überhaupt auf dieser Welt sein wollen. In einem Akt mehr oder weniger großer Leidenschaft wurden Sie gezeugt, und nirgendwo im Mutterleib gab es einen „Bestätigen“-Button, um den Check-out selbstbestimmt abzuschließen. Sonderliches Aufheben wird um den Umstand, dass wir ins Dasein geworfen sind, nur in Krisenzeiten gemacht. Vielleicht kommt deshalb gerade jetzt der 27-jährige Inder Raphael Samuel auf die Idee, seine eigenen Eltern zu verklagen. „Sie haben mich zu ihrem eigenen Vergnügen gezeugt“, schimpft er. Vater und Mutter hätten es unterlassen, ihn nach seinem Einverständnis zu fragen. Und wegen dieses Versäumnisses will der Sohn vor Gericht ziehen. Die Eltern dürften an dieser Klage sinnigerweise kein Vergnügen haben. Samuel ist Anhänger der philosophischen Richtung des Antinatalismus. Die propagiert Kinderlosigkeit, um die Probleme auf diesem Planeten wie Überbevölkerung und Umweltzerstörung zu lösen. Dazu passt das Voluntary Human Extinction Movement, eine tiefenökologische geistige Strömung, die für das freiwillige Aussterben der Menschheit eintritt. Leider ist der Bewegung bisher kein größerer Erfolg beschieden, weshalb auch die indischen Gerichte weiterhin Prozessakten in ökologisch bedenklicher Menge anhäufen müssen. Es bleibt also dabei: Der Mensch ist nicht zum Vergnügen auf dieser Welt. Es sei denn, er lässt sich von Zeilen wie diesen ein wenig nur trösten.

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