• aktualisiert:

    Unterm Strich: Kleines Pferd in der Toilette

    Nur böse Zungen nennen die Weltleitmesse für Bad, Heizungs- und Klimatechnik (ISH) knapp „Interklo“. Sie findet in dieser Woche in Frankfurt statt mit Frankreich als Partnerland, weil es laut Pressetext mit Deutschland „durch eine tiefe Freundschaft und starke ökonomische Bande“ und „gemeinsame Ambitionen“ verbunden ist – besonders auch im Sanitärbereich. Nicht nur wir verdanken der „Grande Dame“ neben den Menschenrechten, großer Literatur und dem Croissant wichtige Vokabeln aus dem Reich der Reinlichkeiten. Etwa den Begriff Sanitär und natürlich Toilette. Dort befindet sich oft jenes niedrige Waschbecken für Spülungen des, na ja, Intimbereichs, das auch bei uns Bidet heißt, aber „kleines Pferd“ bedeutet. Der große Philosoph Voltaire nannte sein Exemplar „Pegasus“, jenes geflügelte Pferd aus der griechischen Mythologie. Jules Verne hat es literarisch verewigt. Das Wort Pissoir suggeriert französischen Ursprung für das Stehurinal, ist aber ein US-Patent. Franzosen nennen es oft „Vespasienne“ in Erinnerung an den römischen Kaiser Vespasian. Er ließ öffentliche Latrinen einrichten und besteuerte Benutzer, denn „Geld stinkt nicht“. Neuerdings sind in Paris „Uritrottoirs“ die Attraktion. Das sind kübelartige, mit Blumen bepflanzte Stehklos auf den Gehwegen. Da kann Mann umsonst, ganz legal und öffentlich dem Blasendruck nachgeben. Sie bieten eine Öffnung zum Wasserlassen, einen Sichtschutz und einen entspannenden Rundumblick auf Sehenswürdigkeiten. Trotzdem ziehen manche immer noch das Wildpinkeln vor, genannt „pipi sauvage“. Klingt fast wie ein Parfum.

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!