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    Unterm Strich: Kochkunst in Blond

    Der Film „Blondinen bevorzugt“ war ein Meilenstein. Er zeigte, dass Herkunft, Haarfarbe und Hüftschwung reichen, um „es“ zu schaffen. Inzwischen ist der Film 67 Jahre alt, Blondinen heißen It-Girl – die gehobene Überflüssigkeit in Blond. Die Mutter aller It-Girls ist die Hotelerbin Paris Hilton, deren Leben darin besteht, mit einem Kläff-Stinkerchen auf dem Arm hochnäsig durch die Welt zu stolzieren und sich cool zu finden. In ihrem Pseudo-Porno „One Night in Paris“ war nur der doppeldeutige Titel gut. Ihr aktueller Film heißt „Kochen mit Paris“ und ist eine einzige Beleidigung für die italienische Kochkunst. Sie kocht „my infamous lasagna“ (meine berüchtigte Lasagne) – und kann Lasagne nicht mal richtig schreiben. Sie wirft Pasta in noch nicht kochendes Wasser, reibt mit Handschuhen Käse und wirft gefühlt pfundweise Hackfleisch in eine kalte Pfanne. Sie sprüht Duftspray (gegen den Küchengestank), will das versalzene Fleisch absieben, „um das ölige Zeug rauszukriegen“. In einer Backform werden Fleisch, Mozzarella-Ricotta-Matsch und Lasagne aufgeschichtet, mit Alufolie bedeckt – ab in den Ofen. Nicht schwer, fast wie Toast machen. Paris hütet sich aber, die fertige Pampe am Ende anzuschneiden oder davon zu naschen. Das Video beweist: Das privilegierte Oberschichts-Girl musste nie kochen. Der Beifall Tausender Bewunderer ist ihr trotzdem gewiss. Wie sie kocht, machen die blonden Donald Trumps und Boris Johnsons Politik: Alles in einen Topf werfen, umrühren, irgendwas kommt raus dabei. Hauptsache, man steht im Rampenlicht – egal, ob man Talent zum Kochen hat.

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