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    Unterm Strich: Paaren, bis der Brexit kommt

    Es ist an der Zeit, die Trennung zu akzeptieren. Schluss mit Rosenkrieg und Melancholie. Stellen wir uns der Realität, auch wenn sie so bitter schmeckt wie englische Orangenmarmelade. Das mit uns und den Briten, das wird nichts mehr. Isch over, wie Wolfgang Schäuble sagen würde. Und wie das so ist im Angesicht einer Scheidung: Sind die rosamundepilcheresken Abschiedstränen erst mal getrocknet, folgen die banalen Alltagsprobleme. Schon lange legen die Briten zum Beispiel Vorräte für den Fall eines chaotischen Brexits an. Italienische Salami und so. Und nun droht auch noch tierischer Ärger. Bislang tauschen britische Zoos regelmäßig Tiere mit den Kollegen vom Festland aus. Das ist wichtig, um Inzucht zu vermeiden, und hilft, bedrohte Arten zu retten. Innerhalb der EU geht das einigermaßen unbürokratisch. Aber das dürfte sich für Großbritannien ja demnächst erledigt haben. Viele Zoos setzen deshalb dort auf Last-Minute-Paarungen und importieren hektisch Tiere aus ganz Europa. Hamsterkäufe im wahrsten Sinne des Wortes. Wir stellen uns das Königreich also als riesige Arche Noah vor. Den Untergang vor Augen, versammeln sich die Letzten ihrer Art zum Speed-Dating auf der Insel. Okapis, Zebras und Co. – paare sich, wer kann! Nashorn Keeva musste Augsburg beinahe in einer Art Nacht-und-Nebel-Aktion Richtung England verlassen, weil man sich dort Sorgen machte, dass nach dem Brexit alles wahnsinnig schwierig werden würde. Stichwort Papierkram. Aber so ist das jetzt eben mit uns und den Briten. Beziehungsstatus: Es wird kompliziert.

    Von Michael Stifter

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