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    Unterm Strich: Papier ist geduldig

    Papier ist (wenn es vom Amt kommt) geduldig – und ein schriftlicher Beleg dafür, dass Bürokraten mitten im Leben stehen. Nicht immer ist das lustig. Gerade hat beispielsweise eine Bürgerin in Würzburg schriftlich bekommen, dass sie nicht einfach tot sein kann, wie sie gerade will. Ihre Schwiegertochter klagt am Amtsgericht seit geraumer Zeit gegen einen renitenten Ex-Mieter, ein Fall, der die Bürokratie seit Jahren mit Leben erfüllt. Die Schwiegermutter der Hausbesitzerin, die mit im Haus wohnte, hatte das Gezerre mitgekriegt. Was lag also näher, als sie als Zeugin zu laden, als der Fall nun reif für einen Prozess schien. Doch während der Fall langsam reifte, ist sie gestorben. Damit die Justiz darüber Bescheid weiß, geht also ihre Schwiegertochter eigens zum Amtsgericht und teilt der Sachbearbeiterin persönlich mit: Die Zeugin steht schon vor ihrem himmlischen Richter, steht also für so irdische Dinge nicht mehr zur Verfügung. Man sollte meinen, dass diese Tatsache auch für das Amtsgericht eine gewisse Verbindlichkeit hat. Aber Wissen muss einer Behörde ja nicht unbedingt störend im Weg stehen: Unverdrossen flatterte Tage später ein offizieller Bescheid von der Mitarbeiterin des Gerichts an die Schwiegermutter sozusagen in den toten Briefkasten: Darin stand: „Sehr geehrte Frau X.! Sie sind vom geladenen Termin am 12.09. entbunden und müssen n i c h t erscheinen.“ Wir wollen hoffen, dass die tote Zeugin das im Himmel mitgekriegt hat und nicht aus Trotz dem Gericht als Geist erscheint. Aber Leben hin oder her – es muss ja alles seine bürokratische Ordnung haben, in der Akte.

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