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    Unterm Strich: Politische Kosmetik

    Manche der Gesichter auf den abgehängten Wahlplakaten werden uns weiter verfolgen. Nur zu gerne halten Politiker ihr Gesicht in Kameras. Es soll ihren „bleibenden Charakter“ übermitteln, denn ein Gesicht wird „gleichsam zum geometrischen Ort der inneren Persönlichkeit“, schrieb der Soziologe und Philosoph Georg Simmel. Manche schlagen auch die Haare diesem inneren Wesenskern zu. Wie Gerhard Schröder, dem man nie Haarfärbung unterstellen durfte. Frankreichs früherer Präsident François Hollande entlohnte seinen Friseur mit 10 000 Euro pro Monat. Die als uneitel geltende Kanzlerin Angela Merkel unterwirft sich gern der Stil-Expertise und Schere des Friseurs und Philosophen Udo Walz. Der französische Präsident Macron beschäftigte 2017 eine Visagistin, deren Dienste er für die ersten drei Monate seiner Amtszeit mit 26 000 Euro honorierte, was ihm Häme und Proteste einbrachte. Ähnliches Ungemach für die Große Koalition erhoffte sich wohl die aufs Provozieren spezialisierte AfD mit einer „Kleinen Anfrage“ zum „Einsatz von Visagisten, Stilberatern und Friseuren auf Steuerkosten“ bei Regierungsmitgliedern. Die Gesichter dürften lang geworden sein angesichts der ungeschminkten Antwort in puncto verschönernder Einsätze: Annette Widmann-Mauz, Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, zweimal; Bildungsministerin Anja Karliczek, Finanzminister Olaf Scholz und Außenminister Heiko Maas je einmal; Umweltministerin Svenja Schulze viermal und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner „in Einzelfällen“. Das steht der Regierung doch gut zu Gesichte.

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