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    Unterm Strich: Saubermänner und Schlammschlachten

    Na sauber: Kaum ein Begriff scheint so in Mode zu sein wie die gute alte Schlammschlacht und ihre kleine Schwester, die Schmutzkampagne. Die einen sehen die SPD im Schlick versinken. Andere meinen, in der CDU tobe die Schlammschlacht um die Macht, wobei Roland Koch und Friedrich Merz gerade erst begonnen haben, schmutzige Wäsche zu waschen. Bei der AfD ist brauner Schlamm sozusagen Parteiprogramm mit allem, was dazu gehört: Beschimpfungen, Intrigen, Nacktfotos. Auch der Linken ist das Dreckschleudern nicht völlig fremd. Aber eigentlich müssten die Grünen den Begriff als ihr geistiges Eigentum reklamieren, wo es doch irgendwie um Erde, also Natur geht. Der FDP käme eine Schlammschlacht gerade recht, damit überhaupt mal wieder jemand über sie redet. International steht uns mit Donald Trump die Mutter aller Schmutzkampagnen noch bevor. Aber mal ehrlich: Zwar wird uns das Blitzblanke, Blütenweiße und Wischfrische ständig als Ideal verkauft. Aber das ist doch naiv. Schon Kinder wissen im Sandkasten, dass zu viel Sauberkeit ungesund ist. Unser Immunsystem braucht einfach ein Minimum an dreckigen Anreizen, damit es in Schuss bleibt. Politisch haben wir mit Säuberungen und Großreinemachen ja auch eher schlechte Erfahrungen gemacht. Am Ende haben oft gerade die Saubermänner Dreck am Stecken und machen sich aus dem Staub. Dann wollen wir es auch in der Politik lieber gelegentlich ein bisschen schmutzig. Man kann nur nicht mit Schlamm werfen, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Aus einem Schmutzfink wird kein Meister Propper.

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