• aktualisiert:

    Unterm Strich: Scharfes Gürteltier und Schwarzes Loch

    Zum ersten Mal ist Astronomen die Aufnahme eines Schwarzen Lochs gelungen. Die Aufnahme des „Event Horizon“-Teleskopnetzwerks wurde zeitgleich auf sechs Pressekonferenzen rund um den Globus präsentiert. Das ist deshalb eine Sensation, weil es bislang von Schwarzen Löchern nur Illustrationen gab. Was bei begeisterten Astronomen offenbar fast für einen Blutsturz sorgt, ist für andere nur ein verschwommenes Foto von einer runden, schwarzen Erbse auf tiefschwarzem Hintergrund, um die ein orange-roter Kreis wabert. Und für diese verwaschene Aufnahme mussten Forscher acht Einzelobservatorien auf vier Kontinenten rechnerisch zusammenschließen. Aber immerhin ist das Schwarze Loch auch 55 Millionen Lichtjahre entfernt. Nur ein paar Hundert Kilometer von Franken entfernt, reichten derweil gut ein Dutzend Fotografen problemlos aus, um die Digitalstaatsministerin Dorothee Bär beim Deutschen Computerspielpreis ziemlich scharf abzulichten: In einem knalligen Latex-Fummel, den Bär selbst als Berliner Variante eines Dirndls bezeichnete. Nüchtern betrachtet sah das Ganze eher aus wie die kleidgewordene, quietschbunte Kinderzeichnung eines Gürteltieres, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Unstreitbar ist allerdings, dass auch dieses Bild zur Sensation wurde, zumindest, wenn man sich die Reaktionen auf Twitter und Facebook vor Augen führt. Die übrigens ähnlich differenziert ausfallen wie bei dem zweiten sensationellen Bild des Tages: Während die einen fast einen Blutsturz bekommen, wünschen sich andere einfach nur ein tiefes schwarzes Loch.

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!