• aktualisiert:

    Unterm Strich: Tauschen und Täuschen

    Die Welt ist eine Tauschbörse. Ständig werden Fußballtrainer ausgetauscht, jede zweite im Internet bestellte Klamotte wird umgetauscht, D-Mark und graue Führerscheine – alles umgetauscht. Gebrauchte und nicht mehr taufrische Lebensabschnittspartner, geleaste Fahrzeuge, alles ist heftig von Umtausch bedroht. Ach ja, natürlich werden auch Meinungen ausgetauscht. Aber da geht es nur darum, sich die eigene Position bestätigen zu lassen. Der klassische Tauschhandel, bei dem es kaum Tränen gab und selten Köpfe rollten, ist aus der Mode gekommen. Früher wurden Briefmarken oder Sammelbilder getauscht, oder zwei Bauern tauschten drei Ferkel gegen ein Kalb oder die Tochter gegen Hektar. Autos wurden nicht geleast, sondern bekamen nach Jahren einen Austauschmotor. Kurzum – wer tauscht, egal ob den Coach oder den Mensch an seiner Seite, hofft, dass Besseres nachkommt. Das ist selten der Fall, wie die Nähe zum Wort „Enttäuschung“ vermuten lässt. Ohne die Ä-Pünktchen könnte man meinen, dass mit „Enttauschung“ eine Rücknahme des Tauschhandels gemeint sei. Mitnichten! Die Enttäuschung bleibt das, was programmiert ist, wenn der neue Besen nicht so gut kehrt wie geglaubt. Darum dreht sich das Tausch-Karussell immer schneller, was Posten in Wirtschaft, Politik und Sport zu Schleudersitzen macht. Also tauschen wir bis zum bitteren Ende und finden Trost bei Friedrich Schiller und seinen Worten „Man löst sich nicht allmählich von dem Leben! Mit einem Mal, schnell, augenblicklich muss der Tausch geschehen zwischen Zeitlichem und Ewigem.“

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!