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    Unterm Strich: Unterm Strich: Der Ofen ist aus

    Fast immer, wenn sich Staatsoberhäupter oder wichtige Politiker irgendwo auf der Welt treffen, was sie ja häufig tun und wofür sie mit Riesen-Tross und noch größerem CO2-Abdruck rund um den Globus jetten, hat das seltsamerweise etwas mit gewaltigen offenen Kaminen zu tun. Ob in Berlin, Moskau, Washington, Paris, Rom oder sogar irgendwo im heißen Orient – meistens hocken die gekrönten oder gewählten Häupter vor einem altertümlich wirkenden offenen Kamin, in dem vielleicht ein paar Holzscheite gestapelt sind, aber nie ein Feuer brennt. Dann stehen sie auf, schütteln sich die Hände und lassen sich auf irgendwelchen unbequemen Prunkstühlchen nieder, auf denen man am Sonntagabend schon nach dem Tatort-Vorspann Gesäßschmerzen bekommen hätte. Was will uns das sagen mit dem offenen Kamin – diese Zeremonie vor bedeutungsschwangerer Kulisse muss doch irgend einen Symbolwert haben? Warum in Zeiten des Klimawandels diese Nähe zur denkbar uneffektivsten Methode, sein Wohnzimmer zu erwärmen? Vielleicht steht das dunkle Heizloch, dieses Relikt aus alter Zeit, für „Ofene Gespräche“, „ergebnisOfenen Dialog“ und die gerne proklamierte Bereitschaft „die Probleme Ofen anzusprechen“. Möglicherweise wird aber auch vor solcher Kulisse gerade eine gemeinsame „Ofensive“ gegen den Iran besprochen. Wahrscheinlich bedeutet das Kalte-Kamin-Szenario aber einfach nur, dass diese händeschüttelnden Frostmienengrinser einfach nur frieren, weil politisch und menschlich gesehen zwischen ihnen sowieso längst der Ofen aus ist.

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