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    Unterm Strich: Verbotene Liebe am Arbeitsplatz

    Aus den USA kommt eine delikate Nachricht: Der Chef der größten Burger-Braterei hat sich die Finger verbrannt und muss gehen – wegen einer Liebelei mit einer Angestellten, einer „dienstlich von ihm abhängigen Person“, wie es hieß. Der Herr hat seine Sturm-und-Drang-Zeit hinter sich, es ist also davon auszugehen, dass er in voller Kenntnis der möglichen Konsequenzen handelte. Dazu muss man wissen, im prüden Amerika zählt ein ehernes Prinzip: Steck deinen Füller niemals in Firmentinte! Ein verhängnisvolles Signal. Wo sollen einsame Herzen in dieser digitalen Welt sich noch wärmen, wenn nicht am letzten analogen Lagerfeuer unserer Zeit, dem Arbeitsplatz? In Deutschland haben Arbeitsgerichte längst entschieden, dass einvernehmliche Romanzen im Büro vom Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit gedeckt seien– selbst bei einem Machtgefälle innerhalb des Betriebs. Früher nannte man so etwas Liebe zu einer Bürgerlichen. Sie war verpönt, ja geächtet. Dramen spielten sich ab in der Welt, die Stoff bargen für griechische Tragödien und bürgerliche Trauerspiele. Was wäre die Literatur ohne Klassiker wie Kabale und Liebe? Ein Werk, das wie kein zweites für ein flammendes amouröses Abenteuer steht, das gleichwohl ohne Zukunft ist: die Beziehung zwischen einem Adeligen und einer Bürgerlichen. Ganze Schüler-Generationen arbeiteten sich ab an derlei Problemen. Aufgabe fürs nächste Deutsch-Abitur: Analysieren Sie die Gefühle eines mächtigen Managers zu einer ihm ergebenen Angestellten im Spannungsverhältnis zur Gesellschaft und zeigen Sie Lösungswege auf!

    Von Eike Lenz

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