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    Unterm Strich: Versteckte Kameras

    Wodka mit Red-Bull, Champagner und zahllose Zigaretten: Ein typischer Partyabend auf Ibiza könnte man meinen. Nur das Feilschen um staatliche Aufträge und illegale Wahlkampfspenden fällt etwas aus dem Bild. Ein Video von diesem feuchtfröhlichen Treiben hat Heinz-Christian Strache das Amt des österreichischen Vizekanzlers gekostet. Doch was ist, wenn das heimliche Filmen von Spitzenpolitikern zur Regel wird? Man stelle sich nur folgende Bilder vor: Katharina Schulze sitzt mit Strohhut und Sonnenbrille auf der Rückbank eines Taxis zum Münchner Flughafen. „Malediven. Hin und zurück nur 20 Euro, richtiges Schnäppchen“, prahlt die Chefin der Grünen im Bayerischen Landtag vor dem Fahrer und nimmt den letzten Schluck aus ihrem Einweg-Kaffeebecher. Sie öffnet das Fenster, wirft das Pappgefäß unbekümmert hinaus und trifft einen Radfahrer am Kopf. Was Schulze nicht sieht: Das rote Licht einer kleinen Kamera oberhalb des Taxameters. Vorstellbar wären auch solche Geheimaufnahmen: Horst Seehofer in lockerer Geburtstagsrunde. Der Innenminister monologisiert über seine Modelleisenbahn. Gerade als den ersten seiner konservativen Kumpels die Augen zufallen, verkündet Seehofer, er habe eine Überraschung: Zu seinem 70. Geburtstag sei es ihm gelungen, genau 70 Flüchtlinge abzuschieben. Applaus. Darunter sei sogar ein Ministrant, sagt er stolz und zwinkert in Richtung Andi Scheuer. Das habe er so bestellt. Wie würde die Öffentlichkeit reagieren? Oh Moment, das ist ja so ähnlich passiert. Auch vor Kameras, nur waren die nicht versteckt.

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