• aktualisiert:

    Unterm Strich: Was Aiwanger mit Wihelm Tell verbindet

    Dass im Leben so mancher Schuss daneben geht, wusste schon die Schlagerkönigin Katja Ebstein. Nun kann auch Hubert Aiwanger ein Lied davon singen. Bayerns oberster Freier Wähler trat neulich vor Jägern und Schützen auf, eigentlich die klassische Klientel der CSU. Immer forsch voran, dachte der Mann, und verblüffte mit Sätzen, die eher ins Repertoire jener „komischen Parteien“ passen würden, deren Themen Aiwanger nach eigenen Worten gerne selbst besetzen will. Bayern, so ging seine steile These, wäre sicherer, dürfte jeder anständige Mann und jede anständige Frau ein Messer in der Tasche tragen. Man dachte zunächst an einen Übersetzungsfehler, der Niederbayer ist ja oft nicht leicht zu verstehen. Aber, nein, versicherte unser Korrespondent, genau so habe es der Minister gesagt. Und es wurde noch besser: Ein Reh zu schießen sei, wie einen Apfel zu ernten. Man muss das festhalten, muss sich Aiwangers semantischen Feinsinn im Mittelohr zergehen lassen. Wir alle kennen es, das knackige Reh, den scheuen Apfel. Man legt sich auf die Lauer, harrt aus in der Dunkelheit, und – peng! – streckt beides nieder mittels eines gezielten Schusses aus der stets griffbereiten Flinte. So mancher ist in seinem Freiheitsideal übers Ziel hinausgeschossen: Man denke an Wilhelm Tell, der einst dem eigenen Sohn mit der Armbrust den Apfel vom Kopf pustete. Aiwanger, als Politiker durch manche hohle Gasse geirrt, sei in seiner Geschichtsvergessenheit gesagt: Tell erlegte später den Landvogt aus dem Hinterhalt. Es geht nur selten gut aus, wenn das Volk die Waffe im Anschlag trägt.

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!