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    Unterm Strich: Wir setzen aufs Pferd

    Wir stehen mal wieder an einer Mobilitätswende. Elektrisch fahren oder Brennstoffzelle heißt die große Frage, nachdem wir in wenigen Jahrzehnten die Ölvorräte dieser Welt in Rauch aufgelöst haben. Zumindest sprachlich sind wir dazu aber noch lange nicht bereit, da setzen wir eher nach wie vor aufs Pferd – also das Fortbewegungsmittel von vorvorgestern sozusagen. Das fängt schon beim Friseur an. Da werden wir ganz nett gefragt, ob wir den Pony lieber kurz oder lang haben wollen und ob der Pferdeschwanz nachgeschnitten werden muss. Man kann aber auch freilich die Mähne so lassen wie sie ist. Völlig überrascht neigen wir immer noch eher zu Redewendungen wie „Ich glaub mich tritt ein Pferd“ – oder haben sie in einer solchen Situation schon mal jemanden „Ich glaub mich streift ein Auto“ sagen hören? Selbst aufgeklärte Väter spielen mit ihren kleinen Kindern eher „Hoppe, hoppe Reiter“ als „Achtung Alexa“. Bringt man am Arbeitsplatz nicht genügend Leistung, kann es sein, dass einem der Chef die Sporen gibt, mehr Galopp einfordert, worauf man gefälligst in die Hufe kommen sollte. Schafft man das nicht, kann es sein, dass man demnächst beruflich umsatteln muss. Mit einem laut vernehmlichen „Brrrr“, was wohl der Anfang von „bremsen“ sein soll, bringt man traditionell ein Pferd zum Stehen. Heute gibt es Politiker mit Mähne und Schaum vor dem Mund, die laut „Brrrexit“ rufen und damit nicht nur Gäule zum Austreten animieren. Richtige Gäule könnte man an die Kandare legen, doch wo findet man Zaumzeug für die Riesenrösser von heute?

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