• aktualisiert:

    Scheurings Wort zum Samstag: Glosse: Unglaubliche Botschaften

    _
    _

    Menschen glauben oft seltsame Dinge. Einige halten das Coronavirus für eine Erfindung der Regierung, andere für eine Strafe Gottes. Und das, obwohl sogar hohe kirchliche Würdenträger erklärt haben: „Als Christen sind wir der festen Überzeugung: Krankheit ist keine Strafe Gottes.“ Aber einige wissen es offenbar besser. Ihr Glaube unterscheidet sich übrigens nicht von dem militanter Islamisten, die überzeugt sind, durch das Coronavirus bestrafe ihr Gott die Ungläubigen (also auch Christen) für ihren Lebensstil. Solange sie sich nicht in das Leben anderer einmischen und ihnen Vorschriften zu machen versuchen, können von mir aus alle glauben, was und woran sie wollen – an 72 Jungfrauen, den Weihnachtsmann, den Schuh des Manitu oder daran, dass Gott aus Zorn über die Einführung der Ehe für alle das Coronavirus auf uns losgelassen hat. Aber sobald man so sonderbare Ansichten infrage stellt, brennen bei einigen die Sicherungen durch. Gerade solche, die glauben, dass Gottes Auge ganz besonders wohlgefällig auf ihnen ruht, vergessen dann im zwischenmenschlichen Umgang jede Form der Höflichkeit und schreiben Briefe mit zum Teil wirren Beschimpfungen, die mit der christlichen Botschaft der Liebe nicht unbedingt besonders gut harmonieren. Das ist ein hochinteressantes psychologisches Phänomen. Die ungezähmte Wut wird oft auch auf orthografisch fragwürdige Weise („diskrementierender Artikel“, „Gesogse“) vorgetragen. Eine Leserin schrieb: „Pfui Teufel: Hauen Sie doch ab!“ Da muss ich Sie leider enttäuschen, meine Lieben: Ich bleibe noch ein wenig hier. Halleluja!

    Kommentare (1)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!