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    Unterm Strich: Moderne Heimsuchungen

    In Pandemie-Zeiten bekommt das Zuhause ein ganz neues Gewicht. Wir arbeiten im Homeoffice, die Kinder lernen im Homeschooling, machen dann ihr Homework oder ihre Hausaufgaben. Das Home-Shopping hat Konjunktur, bezahlt wird per Home-Banking. Das Home-nerving ist bei fehlerhafter Ware gleich im Lieferumfang mit drin. Der Homo sapiens, bekannt als beweglicher Jäger und Sammler, wird mehr und mehr zum Homo-Home-Hocking, zum Homo-sich-alles-Heimbringlassing. Der Trend war ja schon vor Corona eindeutig. Der Friseur kommt ins Wohnzimmer, der Getränkelieferant und der Pizzadienst mehrmals die Woche. Die Möglichkeiten der ständig zahlreicher werdenden Heimsuchungen scheinen schier unerschöpflich. Schon vor dem Homeoffice gab es die Heimarbeit am Spinnrad oder mit dem Pinsel in der Hand, um Gartenzäune oder Gartenzwerge anzumalen. Wie geht das weiter? Kommt der Zahnarzt künftig zum Zahnfleisch-Prophylaxe-Cappuccino oder gleich gar zur – Meinen Kaffee bitte ohne Zucker – Wurzelbehandlung ins Haus? Oder wie wäre es mit der Darmspiegelung to go, zur Not auch auf dem heimischen Bett? Wir wollen uns solche Auswüchse der Stay-Home-Bewegung lieber erst gar nicht vorstellen. Realistischer ist es da schon, dass das Finanzamt zum Home-Controlling kommt, um den ordnungsgemäßen Zustand des von der Steuer absetzbaren Heimbüros zu überprüfen. Getrost Homebleibing kann man übrigens auch, wenn man „heimgegangen“ ist, wie es pietätvoll heißt – denn in diesem Fall wird man zuverlässig abgeholt.

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