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    Unterm Strich: Wenn die Nase juckt

    Wer Moore, Sümpfe und die Feuchtigkeit mag, ist an sich schon ein Außenseiter. Wenn man dann noch Fieberklee heißt und voller Bitterstoffe steckt, ist das der Marketing-Gau. Da hilft es auch nichts, Blume des Jahres 2020 zu sein. Interessiert keinen. Zumal es Blumen schon schwer genug haben: Alle wollen sie sprechen lassen, ausreden aber dürfen sie selten. Das Schicksal des Fieberklees erleiden derzeit viele andere auch. In Zeiten, da man sich nicht ins Gesicht fassen soll, hat es die Nase schwer. Wen juckt da schon, dass die Nase im Erwachsenenalter ein 820 Gramm schwerer Karpfen und Fisch des Jahres ist? Und was soll erst die Gemeine Stinkmorchel als Pilz des Jahres sagen? Selbst der Grüne Zipfelfalter, bei dem als Schmetterling 2020 die eine oder andere Anspielung unter der Gürtellinie zu erwarten wäre, wird missachtet. Und die Robinie als Baum des Jahres hört sich eher wie nicht gekonnt an. Noch ist aber nicht alles verloren. Es besteht vorsichtige Hoffnung, dass zumindest die Turteltaube als Vogel des Jahres die ihr gebührende Aufmerksamkeit einheimst. Oder wenigstens die Speer-Azurjungfer als Libelle des Jahres. Am besten rufen wir, wenn das Wort Corona auftaucht, ab jetzt dreimal laut Azurjungfer. Falls der Trick nicht klappt, muss es das Moos richten. Im Jahr des Schönen Federchenmooses kann nicht alles schlecht sein. Stellen Sie sich vor, wie die Azurjungfer auf dem Federchenmoos niedersinkt, um sich an der Nase zu jucken. Es könnte so schön sein – aber gegen die Zipfelfalter von der ARD und ihren bisher 869 Corona-Extra-Sendungen ist nicht einmal Fieberklee gewachsen.

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