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    Scheurings Wort zum Samstag: Die Intelligenz der Salatköpfe

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    In dieser Woche wurde heftig über Schweinereien in Thüringen, Washington und bei Lebensmittelpreisen diskutiert. Bei einem Gipfel im Kanzleramt trafen sich Vertreter von Handel und Ernährungsindustrie. Klar ist: Die Landwirte müssen faire Preise für ihre Produkte erhalten. Aber auch die Tiere müssen sich fair verhalten. Ferkel zum Beispiel können nicht ernsthaft erwarten, dass sie von heute auf morgen nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Die Forderung nach einem sofortigen Ende dieser Praktik wäre ein verantwortungsloser Egoismus seitens der Ferkel, der die Zwänge der Nahrungsmittelindustrie unberücksichtigt lässt. Das sieht auch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner so. Falls die Tiere hier zu Kompromissen bereit sind, lassen sich sicher tragfähige Lösungen finden. Schweine sind intelligente Tiere, vermutlich sogar intelligenter als die Preisgestalter von Discountern, deren Intelligenzquotient den eines Kopfsalats oft nicht übersteigt. Doch sie haben keine Lobby, ebenso wenig wie die Kühe – und der Kuh-Klux-Clan ist selbst den größten Rindviechern zu blöd. Der Lebensmittelgipfel im Kanzleramt aber gibt Anlass zur Hoffnung. Als Nächstes muss ein Runder Tisch her, an dem Landwirte, Discounter, Schweine, Politiker, Kühe und Salatköpfe gemeinsam nach Lösungen suchen. Denn es ist niemandem damit geholfen, wenn jetzt Schweine auf Traktoren nach Berlin fahren, Kühe die Straßen blockieren und dann auch noch eine Million Hühner vor das Brandenburger Tor flattern, laut drauf los gackern und der Landwirtschaftsministerin unhöflich ins Wort fallen.

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