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    LONDON

    Britischer Finanzminister verliert Machtkampf

    Kabinettsumbildung in London       -  Boris Johnson (links), Premierminister von Großbritannien, und Finanzminister Sajid Javid während einer Kabinettssitzung. Javid ist jetzt von seinem Amt zurückgetreten.
    Boris Johnson (links), Premierminister von Großbritannien, und Finanzminister Sajid Javid während einer Kabinettssitzung. Javid ist jetzt von seinem Amt zurückgetreten. Foto: Aaron Chown, dpa

    Erwartet hatten Beobachter von Premierminister Boris Johnson eine milde Regierungsumbildung. Und so begann der Tag mit kleineren Änderungen im Kabinett auch kaum überraschend. Gestern Mittag kam es in Großbritannien aber doch noch zum Paukenschlag. Schatzkanzler Sajid Javid trat von seinem Amt zurück. Der bisherige Staatssekretär Rishi Sunak wurde daraufhin zum neuen Finanzminister ernannt. Er hält im Königreich den wichtigsten Posten nach dem Premier.

    Es handelte sich um einen Machtkampf zwischen den Politikern Johnson und Javid, den dieser am Ende verlor. Dabei galt Javid nicht nur als ausgewiesener Experte in Sachen Staatsfinanzen, sondern in der Vergangenheit auch als Vertrauter von Johnson. Was war passiert? Offenbar drängte der Regierungschef seinen Schatzkanzler dazu, dessen komplettes Team von Beratern zu entlassen und durch Vertraute aus der Downing Street Nummer zehn zu ersetzen.

    Aus Protest gegen die Forderungen und Loyalität zu seinen Mitarbeitern legte Javid sein Amt nieder. Insider erkannten hinter dem autoritär anmutenden Schachzug sofort die Handschrift von Dominic Cummings, Johnsons engstem Berater. Der einflussreiche Beamte war der Architekt der Referendumskampagne, die 2016 erfolgreich für den EU-Austritt getrommelt hatte. Als Johnson im vergangenen Jahr in die Downing Street zog, machte er Cummings zum Chefstrategen seines Teams. Doch der mächtigste Mann hinter der Regierungsfassade ist umstritten, nicht nur wegen seines kompromiss- und skrupellosen Führungsstils, den sich, so scheint es, auch Johnson zu eigen gemacht hat.

    Zahlreiche Umstrukturierungen

    So will der Politberater etwa den Beamtenapparat und die Organisation in den Ministerien umstrukturieren. Einen bedeutenden Schritt in diese Richtung machte Cummings gestern. Künftig sollen die wichtigen Berater um den Premier und jene des Schatzkanzlers von einer Hand geführt werden. Der Chef dieses politischen Beraterstabs heißt Dominic Cummings. Und so lautete die Frage, die von etlichen Seiten gestellt wurde: Wer hält wirklich die Macht an der Spitze des Königreichs?

    Bereits in den vergangenen Wochen sorgten Ereignisse auf der Insel für Aufsehen. Auf Anweisung Johnsons sollen Regierungsmitglieder nicht mehr in bestimmten Sendungen auftreten. Darunter sind auch politische Programme der BBC. Eine Ansage, die von Cummings stammt: Wer Details aus den Ministerien an Journalisten verrät, wird gefeuert. Der Berater hat laut Medienberichten ein „Netz aus Spionen“ darauf angesetzt, Kontakte von Regierungsmitarbeitern zur Presse aufzudecken.

    Noch vor der Rücktrittsankündigung Javids wurde bekannt, dass unter anderem Wirtschaftsministerin Andrea Leadsom, Generalstaatsanwalt Geoffrey Cox und Nordirland-Minister Julian Smith das Kabinett verlassen müssen. Insbesondere der Rauswurf von Smith wurde von vielen Seiten mit Bedauern aufgenommen. Er hatte zuletzt mit der Wiederherstellung einer Regionalregierung für Nordirland einen großen Erfolg erzielt. Damit wurde der drei Jahre andauernde politische Stillstand in dem Landesteil beendet, die irischen Nationalisten und die britischen Unionisten nahmen die Arbeit wieder auf.

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