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    München

    Coronavirus: Bayern plant den Katastrophenfall auszurufen

    Offenbar plant die Staatsregierung Geschäfte, Gaststätten und weitere Einrichtungen des öffentlichen Lebens zu schließen. Bayern plant die Ausrufung des Katastrophenfalls.
    Die Staatsregierung will die Öffnungszeiten von Geschäften, Gaststätten und öffentlichen Einrichtungen reduzieren, heißt es am Sonntag aus Regierungskreisen.
    Die Staatsregierung will die Öffnungszeiten von Geschäften, Gaststätten und öffentlichen Einrichtungen reduzieren, heißt es am Sonntag aus Regierungskreisen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

    Wegen des Coronavirus will Bayern unter anderem die Öffnungszeiten von Geschäften und in der Gastronomie einschränken. Auch andere Begegnungsstätten wie etwa Schwimmbäder oder Kinos könnten von weitgehenden Schließungen betroffen sein. Das erfuhr diese Redaktion am Sonntag aus Regierungskreisen.

    Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) wollte die Information auf Anfrage am Sonntagnachmittag nicht bestätigen, erklärte aber, ein solches Szenario sei "denkbar". Alles sei "im Fluss", so Eck.

    Bayern plant Ausrufung des Katastrophenfalls

    In Bayern könnte ab Dienstag wegen des Coronavirus der Katastrophenfall ausgerufen werden. Die finale Entscheidung werde aber erst am Montagmorgen getroffen, das vermeldete die Deutsche Presse-Agentur am Sonntagabend aus Regierungskreisen in München. 

    Mit der Ausrufung des Katastrophenfalls sind in erster Linie organisatorische Fragen verbunden. Diese seien notwendig, damit das Land im Kampf gegen das Coronavirus entsprechende Maßnahmen ergreifen könne, hieß es in Regierungskreisen. Der Katastrophenfall soll zunächst für 14 Tage gelten.

    Neben den bekannten Schritten wie einer Schließung aller nicht systemrelevanten Geschäfte soll dann auch die Bundeswehr mit ihren Krankenhäusern in die Krisenpläne einbezogen werden. Das Gesundheitsministerium soll - so berichtet die Zeitung - zudem sämtliche Beatmungsgeräte im Land erfassen und ein Notfallkonzept entwickeln, wie sich sogenannte temporäre Krankenhäuser einrichten lassen. Sie sollen demnach in Messe-, Sport- und Konzerthallen entstehen, falls die Zahl der Erkrankten drastisch steigt.

    Zudem soll es ein Milliarden-Hilfsprogramm für die bayerische Wirtschaft geben, berichtete die Deutsche Presseagentur (dpa). Und es werde ein großes "Medizin-Paket" geben, um die Kapazitäten auszubauen. Dies könnte die Bettenzahl, das Personal oder zusätzliche Kapazitäten für Coronavirus-Tests betreffen.

    Öffentliches Leben in Bayern herunterfahren

    Das öffentliche Leben im Freistaat werde "heruntergefahren", hieß es laut dpa aus einer Sitzung des Coronavirus-Krisenstabs unter Leitung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Sonntagnachmittag in der Staatskanzlei. An der Sitzung nahmen demnach auch Innenminister Joachim Herrmann, Staatskanzleichef Florian Herrmann, Gesundheitsministerin Melanie Huml, Finanzminister Albert Füracker, Wissenschaftsminister Bernd Sibler (alle CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) teil.

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus schließt Bayern ab Montag bereits alle Schulen, Kindergärten und Kitas, und zwar bis zum Beginn der Osterferien am 6. April. Damit sind im Freistaat faktisch bis zum 20. April die Bildungseinrichtungen zu. Zudem verhängte die Staatsregierung bereits weitreichende Auflagen für den Besuch von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen sind bereits bayernweit verboten, aber auch für kleinere hat Söder die Absage empfohlen. Mehrere Kommunen haben eigenständig Veranstaltungen mit mehr als 100 Menschen verboten.

    Einreisebeschränkungen an Grenzen zu Nachbarländern

    Unterdessen schließt Deutschland an diesem Montag seine Grenze zu Dänemark. Dies teilte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Sonntag in Kiel der dpa mit. Auch die Grenzen zu Frankreich, Österreich und zur Schweiz werden nach Angaben aus Regierungskreisen teilweise abgeriegelt. Geplant sind demnach ab Montag, 8 Uhr, verschärfte Kontrollen, Einreisebeschränkungen und Zurückweisungen. Deutsche dürfen aber in jedem Fall aus den Nachbarländern einreisen, hieß es.

    Die Bundesregierung rät von allen nicht notwendigen Reisen ins Ausland ab. "Das Risiko, dass Sie Ihre Rückreise aufgrund der zunehmenden Einschränkungen nicht mehr antreten können, ist in vielen Destinationen derzeit hoch", twitterte Außenminister Heiko Maas (SPD). Auf der Internetseite des Auswärtigen Amts heißt es, es sei mit weiter zunehmenden drastischen Einschränkungen des Luft- und Reiseverkehrs, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen. Änderungen würden teilweise ohne jede Vorankündigung und mit sofortiger Wirkung erfolgen. Davon seien derzeit zahlreiche Reisende in mehreren Ländern betroffen und an der Weiter- oder Rückreise gehindert.

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