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    Paris

    Das schwere Sterben des Wachkoma-Patienten Vincent Lambert

    Journalisten stehen vor der Uniklinik in Reims, wo der Wachkoma-Patient Vincent Lambert am Donnerstag gestorben ist. Foto: Francois Nascimbeni, afp

    Es war ein jahrelanger Kampf um Leben oder Tod, der vor Gerichten, innerhalb einer entzweiten Familie und in der Öffentlichkeit ausgetragen wurde. Zu Ende ging er am Donnerstag mit dem Tod des französischen Wachkoma-Patienten Vincent Lambert in der Uniklinik in Reims. Neun Tage zuvor hatten die Ärzte nach einem entsprechenden Urteil seine künstliche Ernährung und die Flüssigkeitszufuhr eingestellt.

    Bereits vor einem Monat veranlassten die Richter einen Behandlungsstopp, dem kurz danach ein Berufungsgericht auf Betreiben von Lamberts Eltern hin überraschend widersprach. Diese Entscheidung hob in der Folge der Kassationshof, das höchste französische Gericht, wieder auf. Der Anwalt seiner Eltern, die Klage gegen Lamberts Ärzte eingereicht haben, sprachen dennoch von einem „Verbrechen des Staates“.

    Nicht mehr bei Bewusstsein

    Der 42-Jährige hatte sich seit einem schweren Motorradunfall vor fast elf Jahren in einem vegetativen Zustand befunden: Er hielt die Augen offen, ohne aber mit seinem Blick etwas fixieren zu können oder auf sein Umfeld zu reagieren. Medizinische Gutachter waren zu dem Schluss gekommen, dass Lambert nicht mehr bei Bewusstsein sei und sein Zustand sich auch nicht bessern werde. Eine Patientenverfügung von dem ehemaligen Krankenpfleger gab es nicht. Rachel Lambert, seine Ehefrau und die Mutter einer gemeinsamen Tochter, versicherte allerdings, ihr Mann hätte sich eine künstliche Verlängerung seines Lebens als Wachkoma-Patient nicht gewünscht. Während sie, fünf seiner Geschwister sowie ein Neffe für die Einstellung der künstlichen lebenserhaltenden Maßnahmen eintraten, „um ihn in Würde gehen zu lassen“, wie Rachel Lambert in einem autobiographischen Buch schrieb, kämpften seine Eltern, eine Schwester und ein Halbbruder für den Erhalt seines Lebens.

    „Es ist nicht traurig: Es bringt die Sachen in Ordnung. Wir waren seit Jahren bereit dafür.“
    Rachel Lambert nach dem Tod ihres Mannes

    Die strenggläubigen Katholiken argumentierten, Vincent Lambert sei lediglich schwer behindert und müsse auch so behandelt werden: Sie sehe ihren Sohn „leben, sich entwickeln, leiden, sich beruhigen, ruhen und schlafen“, versicherte seine Mutter, Viviane Lambert. Seit 2013, als erstmals ein Behandlungsstopp für ihn durch ein Ärzteteam eingeleitet worden war, klagten sie und ihre Mitstreiter sich durch sämtliche Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wo sie scheiterten.

    Das Gesetz sieht keine Hierarchie der Angehörigen vor, sondern das gemeinsame Finden einer Einigung – was nicht gelang. Beide Lager erhielten jeweils viel Zuspruch von Teilen der Öffentlichkeit. Vertreter der katholischen Kirche kritisierten den Behandlungsstopp: Der Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, beklagte eine Gesellschaft, in der ein Mensch, der nicht mehr funktioniere, „weggeworfen“ werde. Sogar im EU-Wahlkampf äußerten sich viele der Kandidaten zu dem Fall; auch Präsident Emmanuel Macron veröffentlichte im Mai eine Stellungnahme, in der er erklärte, er verlasse sich auf die Einschätzung der Ärzte Lamberts, welche „konform mit unseren Gesetzen ist“.

    Starke Präsenz in den Medien

    Durch die starke Präsenz des Falles in den Medien wurde Lambert ein Symbol für den schwierigen Umgang mit Euthanasie, über den auch in Frankreich kontroverse Diskussionen laufen. Die Zahl der französischen Patienten, die sich in einem ähnlichen Zustand befinden, wird auf 1700 geschätzt. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich die ganze Debatte um Sterbehilfe in diesem Krankenhaus-Zimmer, rund um meinen Ehemann abspielt“, hatte Rachel Lambert in ihrem Buch geschrieben. „Es ist nicht traurig: Es bringt die Sachen in Ordnung“, sagte sie gestern nach dem Tod ihres Mannes. „Wir waren seit Jahren bereit dafür.“

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