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    BERLIN

    Die Bürger müssen weiter Geduld haben

    GERMANY-HEALTH-VIRUS       -  Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Bürger aufgerufen, sich weiterhin an die Beschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu halten.
    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Bürger aufgerufen, sich weiterhin an die Beschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu halten. Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa

    Die Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie werden größtenteils bis zum 3. Mai verlängert. Darauf verständigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Bundesländer am Mittwoch in Berlin.

    Doch es gibt auch Lockerungen. Öffnen sollen nun zuerst Geschäfte mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter, was etwa der Größe eines mittleren Supermarkts entspricht. Unabhängig von der Größe sollen Buch-, Auto- und Fahrradhändler öffnen dürfen. Friseure sollen sich auf einen baldige Öffnung ab dem 4. Mai vorbereiten.

    Das bisher Erreichte sei „ein Zwischenerfolg – nicht mehr und nicht weniger“, sagte Merkel nach den Beratungen in Berlin und ergänzte: „Es ist ein zerbrechlicher Zwischenerfolg.“ Deswegen dürfe es kein „falsches Vorpreschen“ geben.

    Die Kanzlerin betonte: „Wenn wir jetzt mehr öffentliches Leben zulassen, in kleinen Schritten, dann ist es ganz wichtig, dass wir noch besser die Infektionsketten verfolgen können.“ Dann gelinge es auch, Infektionsherde einzugrenzen.

    Vor allem sollen die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen sowie das Gebot zum Halten des Mindestabstands von 1,5 Metern zu anderen Personen im öffentlichen Raum weiter gelten. Zudem empfehlen Bund und Länder das Tragen einfacher Schutzmasken insbesondere in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen. Dies sei „geboten“, weil es andere schütze. Es gibt aber keine Pflicht zum Tragen einer Maske.

    Großveranstaltungen werden dem Beschluss zufolge bis zum 31. August verboten. Ob in der Fußball-Bundesliga wieder ein Spielbetrieb ohne Publikum möglich sein könnte, werde noch diskutiert, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Auch Schulen und Kitas bleiben weiter geschlossen. Es soll aber Vorbereitungen geben, um den Schulbetrieb ab dem 4. Mai zunächst für Abschlussklassen, Prüfungen und Schüler vor einem Schulwechsel wieder aufzunehmen. Dies benötige intensive Vorbereitung, so Merkel.

    Wie Ministerpräsident Söder ankündigte, sollen die Schulen im Freistaat dagegen frühestens ab 11. Mai wieder schrittweise geöffnet werden. Kindertagesstätten könnten womöglich noch später erst wieder öffnen. Söder sagte, man werde das Ganze in Bayern „etwas zurückhaltender angehen“. Auch müssten Ladenbesitzer abwarten, welche Zeiträume für Lockerungen und welche Ladengrößen als Obergrenze das bayerische Kabinett an diesem Donnerstag beschließen werde.

    Bewohner von Pflegeheimen, Senioren- und Behinderteneinrichtungen sollten besonders geschützt, aber nicht sozial isoliert werden. Die Variante, dass die Jungen alle Freiheiten bekämen und Ältere ins Abseits gestellt würden, sei ethisch nicht vertretbar, sagte Merkel.

    Geschlossen bleiben vorerst auch Restaurants und Bars – hier sind weiter nur Bestellungen zum Mitnehmen und Lieferungen möglich. Merkel verteidigte den Beschluss: In Gaststätten seien die Mindestabstände zu anderen Personen nicht zu kontrollieren.

    Die Kanzlerin betonte, die Bürger müssten verstehen, dass die Gesellschaft solange mit dem Virus leben müsse, wie es keine Medikamente und insbesondere keinen Impfstoff dagegen gebe. Sie bedankte sich, dass die Bürger „ihr Leben verändert haben“, weil sie ihren Mitmenschen helfen wollten. Merkel sagte, auch die Kirchen hätten über Ostern Fantasie bewiesen, andere Wege zu ermöglichen, um den Glauben zu leben.

    Auch die Verbote für Zusammenkünfte in Kirchen, Synagogen und Moscheen sollen dem Bund-Länder-Beschluss zunächst bestehen bleiben. Am Freitag will das Bundesinnenministerium mit Religionsvertretern über die Einschränkungen im religiösen Leben sprechen.

    Unverändert bleiben die Regelungen für Tourismus und Reisen: Bürger sollen weiterhin auf Ausflüge und Familienbesuche verzichten, die weltweite Reisewarnung wird aufrechterhalten. Hotels und Pensionen dürfen ihre Zimmer nur für notwendige und ausdrücklich nicht touristische Zwecke zur Verfügung stellen. Und wer aus dem Ausland einreist, muss eine zweiwöchige Quarantäne einhalten.

    Die bisherigen Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens sind seit Mitte März in Kraft und waren zunächst bis zum 19. April vorgesehen. Bund und Länder wollen alle zwei Wochen über die erforderlichen Maßnahmen beraten, das nächste Mal am 30. April. (epd/dpa)

    -> Meinung, Zeitgeschehen, Franken

    Bearbeitet von Thomas Mewis

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