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    BERLIN / BRAUNSCHWEIG

    Gaulands Wunsch wird erfüllt

    AfD-Bundesparteitag - Proteste
    Starke Polizeikräfte, die aus mehreren Bundesländern zusammengezogen wurden, mussten den AfD-Parteitag in Braunschweig schützen. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich 15 000 Menschen an einer Gegendemonstration. Foto: Swen Pförtner, dpa

    Was die Beteiligung von Männern und Frauen angeht, bietet die AfD nicht wirklich eine Alternative. Beim Bundesparteitag in Braunschweig wurde erneut deutlich, dass vor allem Männer das Gerüst der Partei bilden. Sie stellen die Mehrheit unter den 600 Delegierten, der Kontrast etwa zur CDU, die letzte Woche mit ihrem Parteitag dran war, könnte größer kaum sein. Auch die Parteiführung bleibt männlich. Jörg Meuthen wurde in Braunschweig im Amt bestätigt, für Alexander Gauland rückte Tino Chrupalla nach. Der absolute Rechtsruck, etwa durch einen neuen Vorsitzenden vom extrem rechten AfD-„Flügel“, blieb damit aus.

    Stress mit den Jobs

    Mit Chrupallas Wahl verjüngt sich die Alternative für Deutschland deutlich. Alexander Gauland, Mitbegründer der Partei, ist 78 Jahre alt und hatte bereits vor dem Parteitag erklärt, nicht mehr kandidieren zu wollen. Gauland ist auch noch Co-Chef der AfD-Fraktion im Bundestag und er hatte in den letzten Wochen keinen Hehl daraus gemacht, dass ihn beide Jobs ganz schön stressen. Gauland hatte gleichzeitig Chrupalla als seinen Nachfolger vorgeschlagen.

    Chrupalla ist 44 Jahre alt, das ist jung für einen Parteivorsitzenden. Nach Gaulands Empfehlung galt es zunächst als sicher, dass der Malermeister aus Sachsen konkurrenzlos gut abschneiden würde. Doch dann tauchte plötzlich der Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio auf, der in der AfD ob seiner Rhetorik viele Fans hat. Curio nannte, da gehörte er noch dem Berliner Abgeordnetenhaus an, verschleierte Frauen einen „schwarzen Sack, einen Sack, der spricht“.Im Bundestag erklärte er: „Masseneinwanderung ist auch Messereinwanderung“.

    Keineswegs ein gemäßigterer Kurs

    Der 59-Jährige Curio rückte Gaulands Liebling in Braunschweig dicht auf die Pelle: Chrupalla gewann in einer Stichwahl mit 54,51 Prozent. Zuvor hatte es einen ersten Wahlgang gegeben, weil auch die niedersächsische Landesvorsitzende Dana Guth kandidiert hatte. Beide, Chrupalla wie Curio, stehen nicht etwa für einen gemäßigteren Kurs in der AfD. Es hätte aber noch schärfer kommen können, wie der Auftritt von Wolfgang Gedeon zeigte.

    Gedeon hatte sich bei der ersten Vorsitzenden-Wahl gegen Meuthen in Position gebracht. Er war nach Antisemitismusvorwürfen in Baden-Württemberg aus der Landtagsfraktion ausgeschlossen worden,in Braunschweig war er nicht willkommen. Viele Delegierte hielten bei seiner Bewerbungsrede Karten mit dem Aufdruck „Nein“ in die Höhe, rund 100 von ihnen verließen aus Protest den Saal. Gedeon bekam am Ende 23 Stimmen.

    Nicht weiter nach rechts

    Diesen Wahlgang gewann Jörg Meuthen. Der 58-Jährige bekam 69,18 Prozent und schlug damit neben Gedeon auch die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst aus dem Feld. Meuthen bekräftigte,was er nach den für die AfD so erfolgreichen letzten Landtagswahlen schon erklärt hatte. Für ihn ist die Partei auf einem guten Weg, Regierungsverantwortung übernehmen zu können. Meuthen bezeichnete seinen politischen Kurs als „konservativ, freiheitlich und patriotisch“ und wandte sich gegen einen noch stärkeren Rechtsausschlag seiner Partei.

    Überraschend wurde Co-Fraktionschefin Alice Weidel in Braunschweig zur Vizevorsitzenden gewählt. Sie ist damit die einzige Frau in der AfD, die eine erhebliche Machtposition innehat.

    15 000 Menschen auf der Straße

    Der von Polizisten aus mehreren Bundesländern geschützte Parteitag mit knapp 600 Delegierten wurde von lautstarken Protesten begleitet. Zum Auftakt demonstrierten schon am Morgen mehrere Hundert Menschen. Sie riefen unter anderem „AfD Faschistenpack – wir haben Euch zum Kotzen satt“.

    Am Nachmittag waren nach Angaben der Organisatoren 15 000 Menschen auf der Straße. Die Polizei nannte zunächst keine Zahlen. Sie hatte die Halle weiträumig abgesperrt und war mit starken Kräften präsent. Auch Wasserwerfer standen bereit. Die Proteste blieben nach ihren Angaben weitgehend friedlich. Der „Volkswagen“-Schriftzug an der Halle war auf Betreiben des Autokonzerns abgedeckt worden.

    Verhältnis zu den Identitären

    Die Delegierten lehnten es ab, das Verhältnis zur Identitären Bewegung neu zu regeln. Ein Antrag, diese vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierung von der Unvereinbarkeitsliste zu streichen, wurde nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Hätte er Erfolg gehabt, hätten Mitglieder der Identitären Bewegung künftig auch in die AfD eintreten können.

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