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    BERLIN

    Gesund sein, auch nach der Zeit der Politik

    Pressekonferenz mit Bundeskanzerlin Merkel
    Von Zittern keine Spur bei der Sommerpressekonferenz der Kanzlerin Foto: Michael Kappeler, dpa

    Bei einer Frage leuchtet das Gesicht der Bundeskanzlerin regelrecht auf: Nein, dass sie den CDU-Parteivorsitz abgegeben hat, das bereue sie nicht. Die Inbrunst, mit der sie das beteuert, wirkt nicht einstudiert. Gerade weil Angela Merkel weite Teile ihrer Sommerpressekonferenz so routiniert und sachlich wie immer abspult, stechen einige wenige Antworten heraus. Bei manchen Themen wird die 65-Jährige sogar ungewohnt emotional. Etwa wenn es um ihren Abschied aus der Politik geht, der mit dem Ende dieser Legislaturperiode und damit 2021 erfolgen soll. Wenn nicht die SPD schon vorher die Große Koalition mit der Union platzen lässt. An Merkel, das ist ihre Botschaft im Haus der Bundespressekonferenz am Spreeufer, wird es nicht liegen. Sie ist, das zeigt sich in vielen Antworten auf die Fragen der Journalisten, bereit, die volle Distanz zu gehen. Auf der Zielgeraden, aber nicht amtsmüde. Vor allem aber: nicht amtsunfähig.

    Stets handlungsfähig sein

    Nach wochenlangen Diskussionen um mehrere Zitteranfälle der Regierungschefin bei öffentlichen Auftritten will sie klarstellen, dass sie, die kaum einmal krank war, seit sie 2005 Kanzlerin wurde, sich auch jetzt auf ihre robuste Gesundheit verlassen kann. Auf die simple Frage, wie es ihr denn jetzt gehe, antwortet sie schlicht: „Gut“ – mit einem hörbaren Ausrufezeichen. „Ich verstehe die Fragen nach meiner Gesundheit“, sagt sie. Und sie bekenne sich zur besonderen Verantwortung des Amtes. Eine Kanzlerin müsse stets handlungsfähig sein. Um dann auf die bekannte Weise zu beruhigen: „Sie kennen mich ja nun schon eine Weile. Ich kann diese Funktion ausüben.“ Mit ihrem Abschied als Kanzlerin spätestens 2021 ende ja schließlich nicht ihr Leben. Sie habe ein hohes Interesse daran, auch in der Zeit nach der Politik noch gesund zu sein.

    Bis ihre Kanzlerschaft endet, will sie die Dinge selbstbestimmt gestalten, das ist ihr wichtig. Auch in der letzten Phase ihrer Amtszeit möchte sie auf das setzen, was sie schon durch die 14 Kanzlerinnen-Jahre zuvor getragen habe: Auf „realistischen Optimismus und die Freude an dem, was man macht.“ Das Wichtigste in der Politik, sagt Merkel, sei, „dass man neugierig auf Menschen bleibt“. Mit Krisen, ob nun ihrer angeblichen gesundheitlichen Schwäche oder dem Dauerstreit in der GroKo, hält sie sich nicht lange auf. Lieber redet sie darüber, wie gut es doch aus ihrer Sicht im Moment eigentlich läuft.

    Ein regelrechtes Ritual in der Sommerpressekonferenz der Kanzlerin ist die Frage nach ihren Urlaubsplänen. Über die sie stets, so auch in diesem Jahr, keine Auskunft gibt. Privates kommentiert sie nicht. Allzu viele Rätsel werfen die Aktivitäten der Kanzlerin in ihrer kargen Freizeit ohnehin nicht auf. Im Frühjahr sucht sie regelmäßig etwas Entspannung auf der Insel Ischia. Während ihres meist dreiwöchigen Sommerurlaubs wird sie oft beim Wandern in Südtirol gesichtet.

    Mehr Interesse füreinander

    Über ein anderes Thema, das ihre persönliche Geschichte betrifft, spricht die Kanzlerin dagegen für ihre Verhältnisse ausschweifend. Die Unzufriedenheit vieler Menschen im Osten treibt Merkel, die als Pfarrerstochter im brandenburgischen Templin aufwuchs, spürbar um. Dass sich viele Menschen, die nach der Wende arbeitslos geworden seien, heute zurückgesetzt fühlten, könne sie verstehen: „Man war ja fleißig in der DDR.“ Vielerorts seien junge Menschen in Scharen in den Westen gezogen, der Arbeit hinterher. Zurückgeblieben seien ältere Menschen mit ihrem Frust.

    Typische Fähigkeiten, die in der DDR wichtig waren, zählten heute nichts mehr. „Tomatenmark hamstern, im Winter Sommersachen kaufen, Tauschgemeinschaften bilden“, zählt sie auf. Kontakte zwischen Ost- und Westdeutschen seien nicht in ausreichendem Maß entstanden. Fast leidenschaftlich wirkt sie, als sie an die Deutschen appelliert: „Man muss sich mehr füreinander interessieren.“

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