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    Kommentar: Unter der Würde der EU

    Es sind nicht die Zahlen der Hilfesuchenden, die explodieren, sondern das Elend. Während die EU-Behörden in Brüssel den Deal mit der Türkei stets als Beispiel für eine wirkungsvolle Zusammenarbeit gelobt haben, waren Experten schon länger skeptisch. Denn die Abmachungen funktionierten nie so, wie es geplant war. Dass die Zahlen trotzdem zurückgingen, lag wohl eher daran, dass das Abkommen mit Ankara als Abschreckung nützlich war.

    Tatsächlich kamen weiter Migranten nach Griechenland und wurden nicht zurückgeschickt. Damit fühlten sich auch die Mitgliedstaaten der EU nicht verpflichtet, ihren Teil der Absprache einzuhalten und legal eingereiste Asylbewerber aus der Türkei in die Union zu holen. Das ersparte Ärger mit jenen Regierungen, die ohnehin keine Hilfesuchenden haben wollten, und machte es leicht, das Problem entweder Ankara oder Athen zuzuschieben.

    Vor allem Griechenland war immer völlig überfordert: Ein klammes Land mit genügend eigenen Problemen, das auf seinen Inseln eine humanitäre Katastrophe ohne Beispiel hinnimmt, während Europa längst die Situation auf einer anderen Fluchtroute ins Visier nahm und sich mit Italien stritt. So kann es aber nicht weitergehen: Athen bricht alle Zusagen der Gemeinschaft für eine menschengerechte Behandlung der Ankommenden. Die Situation ist unerträglich – für die Flüchtlinge, für die Griechen, für Europa.

    Vor diesem Hintergrund nehmen sich die Darstellungen des (griechischen!) EU-Kommissars für Migration fast wie Hohn aus. Schönfärberisch verweist er seit langem auf die stetig zurückgehenden Flüchtlingszahlen – und klammert dabei das Elend auf den hellenischen Inseln schlicht aus. Das ist unter der Würde dieser Union.

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