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    Hanau

    Kommentar: Warum es richtig ist, nach Hanau Fasching zu feiern

    Zehn Menschen und sich selbst hat ein 43-Jähriger erschossen. Der Schock hält an. Doch unser Autor plädiert dafür, dass wir uns von Terroristen nicht unterkriegen lassen dürfen.
    Der Faschingszug im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld zieht am Faschingsdienstag zahlreiche Besucher an. Auch dieses Jahr findet er wieder statt.
    Der Faschingszug im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld zieht am Faschingsdienstag zahlreiche Besucher an. Auch dieses Jahr findet er wieder statt. Foto: Daniel Peter

    Die Bluttat von Hanau hat Deutschland erschüttert. Zehntausende Menschen trauerten bei Mahnwachen in der ganzen Republik am Donnerstag und Freitag um die Opfer des Anschlags. Sie zeigten Haltung gegen Rassismus und rechte Gewalt. Über soziale Medien brachten viele ihr Mitgefühl mit den Angehörigen zum Ausdruck – und ihre Wut über die schrecklichen Morde.

    Es ist verständlich, in dieser Zeit keine Lust zu haben, im Piraten- oder Clownskostüm ausgelassen auf der Straße zu feiern, mit Konfetti zu werfen und Schlager zu grölen. Und doch ist es ein wichtiges Zeichen, dass trotz der schockierenden Ereignisse von Hanau in vielen Städten an diesem Wochenende Faschingsumzüge, Maskenbälle und Prunksitzungen stattfinden. 

    Wir dürfen Extremisten – egal, welche hasserfüllte Ideologie sie vertreten – keine Macht über unseren Alltag geben. Und wir dürfen nicht zulassen, dass skrupellose Mörder, die Freiheit und Weltoffenheit feindlich gegenüberstehen, uns davon abhalten, das Leben zu genießen und zu feiern. Dabei geht es nicht nur darum, ob wir nach Hanau nun Faschingsveranstaltungen ausfallen lassen sollten oder nicht. Es geht um die generelle Haltung. 

    Mit Plakaten nehmen Kölner Bürger an einer Kundgebung von 'Köln gegen Rechts' teil. Das Aktionsbündnis will seine Solidarität mit den Angehörigen der Ermordeten und den Überlebenden des rassistischen Anschlags von Hanau ausdrücken.
    Mit Plakaten nehmen Kölner Bürger an einer Kundgebung von "Köln gegen Rechts" teil. Das Aktionsbündnis will seine Solidarität mit den Angehörigen der Ermordeten und den Überlebenden des rassistischen Anschlags von Hanau ausdrücken. Foto: Oliver Berg

    Anschlägen sollen für ein Klima der Angst sorgen

    Weil Anschläge in Europa leider immer wieder passieren, ist es notwendig, grundsätzlich zu überlegen, wie wir als Gesellschaft dem Terror begegnen. Meistens wählen die Attentäter bewusst Orte als Ziel aus, an denen Menschen gerne zusammenkommen, an denen sie sich wohl fühlen: Konzerthallen, Gotteshäuser, Imbissbuden und Weihnachtsmärkte – nun auch Shishabars. Überall dort sollen Anschläge für ein Klima der Angst sorgen. 

    Die beste Reaktion auf Terrorismus ist also genau das zu tun, was die Attentäter verhindern wollen: Dass Menschen eine gute Zeit miteinander verbringen und Freude haben. Ein Beispiel mit Vorbildcharakter ist das Benefizkonzert "One Love Manchester" im Juni 2017. Über 50 000 Menschen besuchten die Auftritte von weltbekannten Musikern wie Coldplay oder Robbie Williams.

    Nur wenige Tage zuvor hatte ein islamistischer Attentäter 22 Menschen bei einer Show der Sängerin Ariana Grande getötet. Doch der US-Popstar verstummte nicht. Im Gegenteil: Grande sandte durch die Organisation dieses Benefizkonzerts eine laute Botschaft gegen den Hass und gab den Menschen in der Stadt im Nordwesten Englands neue Hoffnung. 

    Eine Fahne mit der Aufschrift 'bunt statt braun' vor der Fatih-Moschee in Bremen. Nach dem Terrorakt in Hanau und einer Bombendrohung gegen diese Moschee am Mittwoch wurde eine Mahnwache abgehalten.
    Eine Fahne mit der Aufschrift "bunt statt braun" vor der Fatih-Moschee in Bremen. Nach dem Terrorakt in Hanau und einer Bombendrohung gegen diese Moschee am Mittwoch wurde eine Mahnwache abgehalten. Foto: Sina Schuldt

    Respektvoll gegenüber den Opfern des Terrors sein

    Auch in Köln ließ man sich an diesem Donnerstag nicht vom Terror einschüchtern. Nach einer Schweigeminute in Kostümierung ging der Straßenkarneval dort pünktlich los. „Im Leben und vor allen Dingen im Karneval sind die Momente der überschäumenden Freude und des Feierns und die der Trauer und die stillen Momente immer nah beieinander", sagte der Kölner Festkomitee-Präsident, Christoph Kuckelkorn. Recht hat er. 

    Eins ist aber auch klar: Es gibt keine Patentlösung für solche Situationen. Sich nicht von Angst steuern lassen zu wollen, ist das eine. Dabei auch Respekt gegenüber den Opfern des Terrors zu zeigen, ist das andere. Als Chef der bayerischen Staatsregierung handelte Markus Söder richtig, am Donnerstag den Faschingsempfang für 150 Ehrenamtliche aus ganz Bayern abzusagen. Ein feiernder Ministerpräsident am Tag nach einem Anschlag: Das hätte einen unguten Beigeschmack gehabt.

    Und auch dass der Faschingsumzug am Samstag in Hanau abgesagt wurde, ist völlig nachvollziehbar. Der Schock ist am Schauplatz der Verbrechen einfach noch zu frisch, die Trauer sitzt noch zu tief.  Anderswo aber sollten wir zeigen, dass wir uns von Terroristen nicht unterkriegen lassen. In diesem Sinne: Helau. 

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