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    UNTERFRANKEN

    Krisendienst soll kommen - aber noch fehlt das Geld

    Nicht bei jeder akuten psychischen Krise ist automatisch eine Einweisung in die Psychiatrie notwendig. Ein Krisendienst aus Leitstelle und mobilen Teams soll schon in zwei Jahren zum Einsatz kommen. Foto: Jens Kalaene, dpa

    Der Aufbau eines Netzwerks zur Hilfe bei psychischen Krisen ist eines der wichtigsten Vorhaben der bayerischen Bezirke in den kommenden Jahren. Der Krisendienst soll in akuten Situationen ein schnelles Eingreifen ermöglichen und dabei dazu beitragen, dass eine stationäre Einweisung nicht nötig ist. Dies soll mithilfe einer zentralen Leitstelle rund um die Uhr gewährleistet sein. „Wir sitzen in den Startlöchern, müssen aber abwarten, was von der Landesebene kommt“, beschrieb Projektleiterin Anne-Katrin Jentsch den Stand der Planungen im Bezirksausschuss.

    Deutliche Verunsicherungen bei den Bezirken 

    Während im Bezirk bereits fleißig geplant wird, ist es jedoch noch immer nicht klar, inwiefern das Gesundheitsministerium des Freistaats für die Finanzierung aufkommt. Mehr als eine formlose Zusage aus dem Januar dieses Jahres und der Verweis auf eine noch zu erarbeitende Vereinbarung gebe es bisher. „Das hat zu deutlichen Verunsicherungen bei den Bezirken, aber auch den Trägern der Freien Wohlfahrt geführt“, stellte die Projektleiterin fest.

    Auch die mobilen Teams, die in den drei Planungsregionen Würzburg, Aschaffenburg und Schweinfurt gebildet werden sollen, hängen in der Luft. Hierfür sind die von den Freien Wohlfahrtsverbänden getragenen Sozialpsychiatrischen Dienste vorgesehen. Sie hoffen darauf, dass die auch bei ihnen nötigen neuen Stellen vom Freistaat übernommen werden. Insgesamt seien, so Jentsch, müssten in das unterfränkische Netzwerk mindestens 300 Personen eingebunden werden.

    Leitstelle soll nach Lohr

    Feststeht: Spätestens in zwei Jahren, zum 1. Juli 2021, soll – wie im Mai vom Bezirksausschuss beschlossen - die Leitstelle, die am Bezirkskrankenhaus Lohr eingerichtet wird, samt Netzwerk stehen. Vorbild sollen die Erfahrungen im Bezirk Oberbayern sein. Hier entwickelte sich aus dem schon 2007 eingerichteten Krisendienst München ab 2015 ein auf den gesamten Bezirk ausgeweiteter Krisendienst.

    So können wir uns doch nicht mit uns umspringen lassen
    Tamara Bischof Bezirksrätein (Freie Wähler)

    Auch Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel tappt derzeit noch im Dunkeln. Er hofft zwar, dass es für den Bezirk, dem der Krisendienst zugeordnet wird, einen Ausgleich aus Finanzmittel des Freistaats geben wird. Für Grünen-Rätin Barbara Imhof ist es dagegen ausgemachte Sache, dass die Bezirke auf den Kosten sitzen bleiben. Es sei dafür keine Haushaltsansatz vorgesehen. Auch gehen viele Räte davon aus, dass es nicht bei eineinhalb Mitarbeitern wie für die Vorplanungen bleiben wird.

    Gehörig verstimmt reagiert Tamara Bischof von den Freien Wählern. „So können wir uns doch nicht mit uns umspringen lassen“, fand sie klare Worte und forderte, dass die Bezirke „Druck machen“ müssten. Hinzu kommt, dass derzeit keiner genau weiß, was überhaupt auf die Bezirke zukommt. Bischof erinnerte an die bis heute nachwirkenden Schwierigkeiten bei der Einführung einer zentralen Leitstelle bei den Feuerwehren Auch dürfe nicht einfach das oberbayerische Konzept auf Unterfranken „übergestülpt“ werden.

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